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Dienstag, 9. Mai 2017

18. Sonntag nach Pfingsten - hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 7-9
Matth. 9, 1-8
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus
Die heutige Auslegung des Evangeliums zeigt, daß Christus in dem, was er als Mensch tat, auch als Gott geheimnisvoll wirkte und neben seinen siochtbaren Handlungen auch etwas Unsichtbares tat. Er stieg in ein Schifflein, heißt es, fuhr hinüber und kam in seine Stadt. War er nicht der, der die Wogen teilte und den Grund des Meeres bloslegte, sodaß das Volk Israel zwischen den Wassermauern wie durch ein tiefes Tal trockenen Fußes hindurchziehen konnte? War er nicht der, der die Meeresfluten unter die Füsse des Petrus beugte, sodaß der Weg über die Wasser für menschliche Füsse gangbar wurde so wie über festen Boden? Warum verzichtete er aber jetzt auf den Dienst des Meeres und läßt sich um Geld die kurze Strecke über den See fahren? Er stieg in ein Schifflein, heißt es, und fuhr hinüber. Doch was wundern wir uns, meine Brüder? Christus ist ja gekommen, um unsere Schwachheiten auf sich zu nehmen und seine Kräfte uns mitzuteilen, um die Menshcen zu suchen und Göttliches ihnen zu geben, um Beleidigungen zu ertragen und Belohnungen zu verteilen, um Schmerzliches zu tragen und Heilung zu gewähren. Denn ein Arzt, der keine Krankheiten durchmacht, kann auch keine Krankheit heilen; wer mit dem Kranken nicht krank wird, kann dem Kranken auch keine Gesundheit bringen. Wenn aber Christus nur in seiner Macht aufgetreten wäre, würde er mit den Menschen nichts gemein haben; wenn er sich nicht an die Ordnung des Fleisches gehalten hätte, hääte die Annahme des Leibes keinen Wert. Er stieg in ein Schifflein, heißt es, fuhr hinüber und kam in seine Stadt. Der Herr und Schöpfer des Weltenalls schloß sich unseretwegen in die enge Hülle unseres Leibes ein, hatte eine irdische Heimat, wurde Bürger einer jüdischen Stadt, hatte Eltern, obwohl er allen Eltern das Leben gegeben. Durch sein Wohlwollen wollte er alle einladen, durch seine Liebe an sich ziehen, durch seine Hingebung an sich fesseln, durch seine Güte anlocken alle, die durch Herrschsucht vertrieben, durch Furcht auseinandergejagt, durch Machtgewalt heimatlos geworden waren.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

17. Sonntag nach Pfingsten - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 7-9
Matth. 22, 34-46
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus

Nachdem er die Saduzäer abgefertigt hatte, kamen die Pharisäer wieder zu ihm. Sie hätten eigentlich ruhig sein sollen, doch sie wollten unbedingt Streit anfangen. Sie schickten einen Gesetzeskundigen vor, nicht um von ihm zu lernen, sondern um ihn auf die Probe zu stellen. So fragten ihn also, welches das erste Gebot im Gesetze sei. Das erste lautet bekanntlich: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben; sie glaubten aber, er werde dieses Gebot abändern, vielleicht etwas hinzufügen, weil er sich ja als Gott ausgab; darum stellten sie an ihn diese Frage. Was tat nun Christus? Um ihnen zu zeigen, daß sie deshalb auf diese Frage gekommen waren, weil sie keine Liebe hatten und vor Neid vergingen, darum sagte er: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben; das ist das erste und größte Gebot. Ein zweites aber ist diesem gleich: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Weshalb ist das zweite dem ersten gleich? Weil es in ihm enthalten ist und von ihm getragen wird. Denn wer böses tut, haßt das Licht und kommt nicht ans Licht. Ferner: Nur der Tor spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott. Dann heißt es weiter: Verderbt sind sie; abscheulich ist ihr Treiben. Und wiederum: Die Wurzel alles bösen ist die Habsucht; weil sich einige ihr ergeben haben, sind sie vom Glauben abgefallen. Weiterhin: Wer mich liebt, wird meine Gebote halten. Die Wurzel und der Mittelpunkt der Gebote ist ja: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn also Gott lieben soviel ist wie deinen Nächsten lieben - er sagt ja: Wenn du mich liebst, Petrus, weide meine Schafe!- und wenn die Liebe zum Nächsten bewirkt, daß man die Gebote hält, dann ist richtig, was er sagt, daß darauf das ganze Gesetz und die Propheten ruhen. Und wie er vorher, als er über die Auferstehung gefragt wurde, mehr sagte, als die Fragenden wollten, so hat er auch hier, wiewohl er nur nach dem ersten Gebot gefragt worden war, ganz von selbst das zweite dazu gesagt, das dem ersten nicht viel nachsteht. Denn das zweite ist dem ersten gleich. So hat er ganz leise angedeutet, daß sie nur aus Haß ihn gefragt hatten; denn die Liebe, heißt es, ist nicht eifersüchtig.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Donnerstag, 20. April 2017

5. Sonntag im August - hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 4-6
Predigt des hl. Chrysostomus
Zögere nicht, dich zum Herrn zu bekehren und schiebe es nicht auf von einem Tag zum anderen! Denn du weißt nicht, was der folgende Tag bringen wird. Gefahr und Grund zur Besorgnis ist mit einem solchen Aufschub verbunden; das Heil ist sicher und gewiß, wenn kein Aufschub erfolgt. Übe also die Tugend; so kannst du, auch wenn du in jungen Jahren sterben musst, in ruhe scheiden; und wenn du auch zu hohem alter gelangst, kannst du leicht und ohne Beschwerden dein Leben schließen. du wirst doppelte Freude haben, einerseits, daß du dich von der Bosheit der Welt ferngehalten und andererseits, daß du die Tugend geübt hast. sage nicht: Es ist noch Zeit, sich zu bekehren; denn solches Gerede bringt Gott gar sehr in Zorn. Warum willst du denn, wo dir der Herr doch das ewige Leben verheißen hat, in diesem zeitlichen Leben nicht ringen, das doch so kurz ist und schnell vergeht? Warum bist du so träg und lässig als suchtest du ein anderes Leben, das noch kürzer ist als das Gegenwärtige?  Zeugen nicht deine täglichen Schmausereien, deine Tischgelage, die unzüchtigen Weiber, die Theatervorstellungen, deine Reichtümer von deiner unersättlichen Gier nach dem Bösen? Bedenke wohl: So oft du Unzucht getrieben, hast du dich selbst verdammt; denn mit der Sünde ist es so, daß, sobald sie begangen ist, auch der Richter das Urteil fällt. Bist du unmäßig gewesen, hast du dem Bauche gedient, hast du einen Raub begangen, dann halte ein deinen Schritt und kehre um! Danke Gott, daß er dich nicht mitten in deinen Sünden sterben ließ. Suche nicht noch mehr Zeit zu gewinnen, um noch weiter sündigen zu können. Schon viele, die ein schlechtes, lasterhaftes Leben führten, wurden plötzlich vom Tod ereilt und sind offensichtlich der ewigen Verdammnis heimgefallen. Sei auf der Hut, daß es dir nicht auch so geht! Doch du sagst: Vielen hat Gott Gelegenheit gegeben, sich in hohem alter zu bekehren. Was willst du damit sagen? Wird er sie dir auch geben? Vielleicht, sagst du. Warum sagst du: Vielleicht? Weil es manchmal so gewesen ist? Bedenke doch, daß es sich um deine Seele handelt, und denke auch an das Gegenteil! Was dann, wenn Gott dir diese Gelegenheit nicht gibt? Du sagst jedoch: Was dann, wenn er sie mir gibt? Gut, er mag sie dir schenken! Aber sicherer und besser ist es doch, wenn du an das erste denkst.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Mittwoch, 19. April 2017

2. Sonntag im August - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 4-6
Predigt des hl. Johannes Chrysostomus
Solange Salomon von dem Verlangen nach weltlichen Dingen beherrscht wurde, hielt er diese für groß und wunderbar; und er ließ es sich viel Sorgen und Mühe kosten, prächtige Paläste zu bauen, große Mengen Gold zusammenzubringen, Sängerchöre zusammenzustellen und mancherlei Dienstpersonal für die Bedienung bei Tisch und für seine Küche sich zu suchen. Er hatte seine Freude an lieblichen Gärten und an schönen Menschen und ging, wenn ich so sagen darf, nur dem Vergnügen und der Lust nach. Später ging er in sich. Als er nun wie aus einem dunklen Abgrund zum Lichte der wahren Weisheit aufschauen konnte, tat er folgenden, hocherleuchteten, wahrhaft himmlischen Ausspruch: O Eitelkeit der Eitelkeit, und alles ist Eitelkeit. Ein gleiches Urteil, ja, ein noch viel lichtvolleres, werdet auch ihr, wenn ihr wollt, über diese schändliche Vergnügungssucht fällen, wenn ihr euch einmal ein wenig von eurer schlimmen Gewohnheit freigemacht habt. Zwar wurde von Salomom in der damlaigen Zeit kein so hohes Streben nach Weisheit gefordert. Denn das alte Gesetz verbot die Vergnügungen nicht, noch bezeichnete es den Genuß überflüssiger Freuden als nutzlos. Dennoch kann man bei dieser Lage der Dinge schon an diesen selbst sehen, wie nichtig und vergänglich sie sind. wir aber sind zu einem besseren Leben berufen, wir sollen einem höheren Ziele zustreben, wir streiten auf einer edleren Kampfbahn; wir müssen auch ein Leben führen, so wie die überirdischen, geistigen, körperlosen Mächte.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Montag, 10. April 2017

Hl. Bischof und Martyrer Josaphat - Hl. Chrysostomus (Brevier)

14. November
Lesung 7-9
Joh. 10, 11-16

Auslegung des hl. Chrysostomus
Etwas Großes, Geliebteste, ja etwas Großes ist das vorsteheramt in der Kirche; es erfordert große Weisheit und Kraft, wie es auch Christus ausgesprochen hat; wir müssen bereit sein, das Leben hinzugeben für die Schafe, und dürfen sie niemals verlassen; wir müssen standhaft gegen den Wolf kämpfen. Denn das ist der Unterschied zwischen dem Hirten und dem Mietling; der eine sorgt stets nur für sein eigenes Wohl und kümmert sich nicht um die Schafe; der andere sorgt unablässig für das Wohl der Schafe und denkt nicht an sich. Nachdem er also das Bild des Hirten gezeichnet hat, nennt er zwei Verführer: Den Dieb, der die Schafe würgt und raubt, und den Mietling, der das zulässt und die anvertrauten Schafe nicht verteidigt. solches Verhalten hat schon früher Ezechiel mit folgenden Worten gegeißelt: Wehe den Hirten Israels! Weiden sie sich selbst? Sollten nicht die Herden von den Hirten geweidet werden? Sie aber taten das Gegenteil, was von schrecklicher Bosheit zeugt und die Quelle vieler Übel ist. Daher sagt er auch: Was vertrieben war, haben sie nicht zurückgeführt, und was verloren war nicht gesucht; nicht geheilt, was gebrochen war, nicht gestärkt was schwach war; sie haben nur sich, nicht meine Herde geweidet. Dasselbe sagt auch Paulus mit etwas anderen Worten: alle suchen das Ihrige, nicht die Sache Jesu Christi. Christus zeigt nun, wie er sich von beiden unterscheidet, von denen, die nur zum Verderben anderer kommen, dadurch, daß er sagt, er sei deshalb gekommen, damit sie das Leben haben und es überreich haben; von den anderen, die sorglos die Schafe von den Wölfen rauben lassen, indem er sagt, er gebe sein Leben für seine Schafe, damit sie nicht zugrunde gehen. Denn als die Juden ihm nach dem Leben trachteten, ließ er doch nicht vom Predigen ab und überließ die Gläubigen nicht ihrem Schicksal, sondern er hielt aus und erduldete den Tod. Darum sagt er auch häufig: Ich bin der gute Hirt. Weil dies aber durch kein Zeugnis bekräftigt schien - denn daß er sein Leben hingab, zeigte er erst kurz darauf durch die Wirklichkeit; daß sie aber durch ihn Leben, und zwar überreich haben würden, das sollte erst in der zukünftigen Welt eintreffen - so bekräftigte er das eine durch das andere.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Donnerstag, 30. März 2017

Hl. Apostel Jakobus - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

25. Juli
Lesung 7-9
Matth. 20, 20-23
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus

Niemand beunruhige sich, wenn wir sagen, die apostel seien noch so unvollkommen gewesen; denn noch was das Mysterium des Kreuzes nicht vollbracht, noch war die Gnade des Heiligen Geistes nicht in ihre Herzen eingegossen. Wenn du aber ihre Tugenden kennenlernen willst, dann betrachte wie sie nach Empfang der Gnade des Heiligen Geistes waren, und du wirst sehen, daß sie jede verkehrte Neigung überwunden hatten, deshalb wird eben jetzt ihre Unvollkommenheit gezeigt, damit du deutlich sehen kannst, wie sie mit einem Male durch die Gnade geworden sind. Daß sie also nichts geistiges erbaten und überhaupt nicht an das himmlische Reich dachten, ist klar. Doch wir wollen sehen, wie sie zu ihm hintraten und was sie sagten. Wir wünschen, sagten sie, daß du uns alles gewährst, um was wir dich bitten. Darauf antwortete Christus: Was wollt ihr denn? Das sagte er sicherlich nicht, weil er es nicht wusste, sondern weil er sie zur antwort veranlassen und das Geschwür aufdecken wollte, um dann das Heilmittel aufzulegen. Sie schämten sich aber und scheuten sich, weil sie aus menschlicher Neigung darauf gekommen waren; deshalb nahmen sie Christus abseits von den anderen Jüngern und fragten ihn. Es heißt nämlich: Sie gingen voraus, damit es den anderen nicht bekannt werde; und jetzt erst sagten sie, was sie wollten. Sie hatten gehört, daß die Apostel auf zwölf Thronen sitzen werden, und nun wollten sie, wie ich vermute, sich die ersten Plätze in dieser Versammlung sichern. Sie wußten ja, daß sie den übrigen etwas voraus hatten. aber sie fürchteten,  Petrus könne ihnen vorgezogen werden. Darum wagten sie zu sagen: Sprich, daß einer zu Deiner Rechten, der andere zu Deiner Linken sitzen darf. Sie werden dabei sogar zudringlich und sagen: Sprich! Doch, was antwortete der Herr? Um ihnen zu zeigen, daß sie nichts geistiges erbaten, daß sie nicht einmal wußten, was sie begehrten - sie hätten auch gar nicht darum gebeten, wenn sie es gewußt hätten -, darum antwortete er ihnen: Ihr wißt nicht, um was ihr bittet: Ihr wißt nicht, wie groß, wie wunderbar das ist, wie es selbst den himmlischen Mächten nicht zusteht. Und er fügte hinzu: Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Und mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde? Du siehst, wie er sie sogleich von ihrer Meinung abbringt und ihnen das gerade Gegenteil klarmacht. Er sagt: Ihr redet mit mir über Ehren und Kronen, ich dagegen rede von Kampf und Schweiß. Jetzt ist keine Zeit für Belohnungen, und auch meine Herrlichkeit wird jetzt auch noch nicht offenbar; jetzt ist die ZUeit für Tod und Gefahren. Doch beachte auch, wie er sie schon durch die Art seines Fragens aufmuntert und anspornt. Er sagte nicht: Könnt ihr den Tod auf euch nehmen? Könnt ihr euer Blut vergießen? Sondern: Wie könnt ihr den Kelch trinken? Und, um sie anzulocken, fügt er hinzu: Den ich trinken werde. Gerade dadurch, daß sie die Leiden gemeinsam mit ihm tragen sollten, sollten sie bereitwilliger werden.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Mittwoch, 29. März 2017

Hl. Bekenner Hieronymus Ämilianus - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

20. Juli
Lesung 7-9
Matth. 19, 13-21
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus
Warum wiesen die Jünger die Kinder zurück? Wegen seiner Würde. Was tat der Herr? Um sie zu belehren, bescheiden zu sein und den irdischen Stolz niederzutreten, nimmt er sie auf, umarmt sie und verspricht solchen das Himmelreich. Das Gleiche hat er auch früher schon gesagt. Wenn wir also Erben des Himmelreiches werden wollen, müssen auch wir mit großer Sorgfalt uns dieser Tugend befleißigen. Denn das ist der Gipfel der Weisheit, klug und einfältig zu sein; das ist die Lebensweise der Engel. Die Seele eines kleinen Kindes ist noch frei von aller Leidenschaften; es behält das Unrecht nicht im Gedächtnis, sondern geht zu denen, die ihm solches zufügen, wie zu Freunden hin, als ob nichts geschehen wäre. Und wenn es auch von der Mutter geschlagen wird, sucht es sie doch immer wieder und zieht sie allen anderen vor. Wenn du ihm eine Königin mit einer Krone zeigst, so ziehst es sie seiner Mutter nicht vor, wenn diese auch nur abgetragene Kleider trägt. Lieber will es seine Mutter ohne Schmuck sehen als die Königin in prachtvollem Gewande. Denn was ihm gehört oder nicht, das entscheidet es nicht nach der Armut oder dem Reichtum, sondern nach der Liebe; auch verlangt es nicht mehr als notwendig ist, und sobald es mit Milch gesättigt ist, verläßt es die Mutterbrust. Es wird auch nicht mit Nöten bedrückt wie wir, von Geldverlust und ähnlichem; es hat auch nicht an den vergänglichen Dingen Freude wie wir und bewundert nicht körperliche Schönheit. Deshalb sprach der Herr; für solche ist das Himmelreich; wir sollen mit absicht und freiem Willen tun, was die Kinder aus natürlichem antrieb tun. Weil die Pharisäer nur aus Bosheit und Anmaßungen handelten, darum prägte der Herr seinen Jüngern bei jeder Gelegenheit ein, einfältig zu sein, und stellte jene bloß, indes er diese belehrte. nichts weckte so sehr den stolz wie hohe Stellungen und die ersten Plätze. Die Jünger sollten ja auf der ganzen Welt große Ehre erlangen; darum bereitet er ihre Herzen vor und duldet nicht, daß sie menschliche Gelüste aufkommen lassen, auch nicht, daß sie nach Ehrenbezeugungen beim Volke streben oder sich über andere erheben. Wenn das auch belanglos zu sein scheint, so bietet es doch die Veranlassung zu schlimmen Übeln. Weil die Pharisäer so gesonnen waren, verstiegen sie sich bis zum gipfel der Bosheit; sie wollten gegrüßt werden, suchten die ersten Plätze und die Mitte. So gerieten sie in eine brennende Ehrsucht und infolge dessen in Gottlosigkeit.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)  

Montag, 27. März 2017

Oktavtag der hll. Apostel Petrus und Paulus - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

6. Juli
Lesung 4-6
Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Welchen Dank sollen wir euch abstatten, ihr heiligen Apostel, die ihr so viel für uns gearbeitet habt? Ich denke an dich, Petrus, und staune; ich erinnere mich an dich, Paulus, und gerate ganz auser Fassung und werde von Tränen überwältigt. Ich weiß nicht was ich sagen oder reden soll, wenn ich eure Drangsale betrachte. wie viele Gefängnisse habt ihr geheiligt! Wie vielen Ketten glanz verliehen, wie viele Martern erduldet, wie viele Verwünschungen hingenommen! Wie habt ihr Christus überall hingetragen! Welche Freude habt ihr den Gemeinden durch eure Predigt gemacht! Eure Zungen sind gesegnete Werkzeuge; eure Glieder sind mit Blut gesprengt um der Kirche willen. Ihr habt christus in allem nachgeahmt. In alle Lande ist eure Kunde gedrungen und bis an die Grenzen der Erde euer Wort. Freu dich, Petrus! Dir war es vergönnt, das Kreuz Christi zu verkosten. Wie dein Meister woltest du gekreuzigt werden, doch nicht aufrecht, wie Christus der Herr, sondern mit dem Kopf nach unten, als ob du von der Erde zum Himmel schreiten wolltest. Selig sind die Nägel, die diese heiligen Glieder durchbohrten. mit vollem Vertrauen hast du deinen Geist in die Hände des Herrn übergeben. Ohne Unterlass hast du ihm und seiner Braut, der Kirche gedient, hast mit glühender Seele den Herrn geliebt, du, der treueste von allen Aposteln. Freue auch du dich, heiliger Paulus! Mit dem Schwert wurde dir das Haupt abgeschlagen. Deine Verdienste kann man mit Worten nicht schildern. Was für ein Schwert hat deinen heiligen Hals durchschnitten! Ein Werkzeug des Herrn, meine ich, war es; der Himmel bewundert es und die Erde verehrt es. Welche Stätte hat dein Blut getrunken, das wie Milch am Gewande deines Henkers sichtbar wurde! Es hat die Seele dieses grausamen Menschen über alles Maß erweicht und ihn samt seinen Genossen zum Glauben gebracht. Dieses Schwert soll für mich eine Krone und die Nägel des Petrus sollen Edelsteine sein, die in diese Krone eingefügt werden.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Sonntag, 26. März 2017

6. Tag in der Oktav der hll. Apostel Petrus und Paulus - hl. Chrysostomus aus dem Brevier

4. Juli


Lesung 4-6
Aus der Erklärung des heiligen Johannes Chrysostomus zum Brief an die Römer

Da uns der Apostel Paulus die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, diese Quelle aller Güter, erbittet, so bleibt nur noch übrig, daß wir uns einer solchen Fürsprache würdig erweisen, damit wir nicht nur hernieden die Stimme des heiligen Paulus hören, sondern auch, wenn wir einmal hinübergehen, diesen Streiter Christi schauen dürfen. Ja, wenn wir hier auf ihn hören, werden wir ihn auch ganz sicher einmal drüben schauen, wenn wir auch nicht in seiner Nähe stehen. Aber wir werden ihn sehen, wie er ganz nahe beim Throne Gottes glänzt, dort, wo die Cherubim Gott ihre Loblieder singen und die Seraphim ihn umschweben. Dort werden wir Paulus schauen, zusammen mit Petrus, dem Fürsten und Führer des Chores der Heiligen, und werden uns seiner echten Liebe freuen. Denn wenn er schon hier auf Erden die Menschen so sehr liebte, daß er trotz seines Sehnens, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein, dennoch es vorzog, hier zu bleiben, so wird doch noch viel glühender die Liebe sein, die er dort oben beweisen wird. Deshalb liebe ich auch die Stadt Rom, obgleich ich sie auch aus anderen Gründen loben könnte, z.B. wegen ihrer Größe, wegen ihres Alters, ihrer Schönheit, ihrer Einwohnerzahl, ihrer Macht, ihres Reichtums, ihrer kriegerischen Leistungen. Aber dieses alles will ich übergehen; ich preise sie deshalb selig, weil Paulus zu seinen Lebzeiten ihr so gewogen war und die Römer so innig liebte, wie er persönlich dort predigte und schließlich bei ihnen sein Leben beschloß. Rom besitzt auch seinen heiligen Leib; dadurch wird diese Stadt mehr ausgezeichnet als durch alles andere. Wie ein stattlicher, gesunder Leib hat sie zwei leuchtende Augen, die Leiber dieser Heiligen. Der Himmel leuchtet nicht so hell, wenn die Sonne ihre Strahlen aussendet, wie die Stadt Rom, die diese beiden Leuchten über die ganze Erde strahlen läßt. Von hier wird Paulus, von hier wird Petrus entrückt werden. Mit Zittern denket daran, welches Schauspiel Rom sehen wird, wenn Paulus zusammen mit Petrus plötzlich aus jener Gruft sich erheben und dem Herrn entgegeneilen wird! Welch herrlichen Rosenstrauch sendet Rom Christus entgegen! Mit welcher Doppelkrone ist diese Stadt geziert! Mit welch güldenen Ketten umschlungen! Welche Quellen besitzt sie! Deshalb bewundere ich diese Stadt, nicht wegen ihres vielen Goldes, nicht wegen ihrer Säulen oder wegen anderer glänzender Dinge, sondern wegen dieser Säulen der Kirche. Wer kann es mir jetzt gestatten, den Leib des Paulus zu umfassen, sein Grab zu küssen, den Staub jenes Leibes zu schauen, an dem er ersetzte, was dem Leibe Christi noch mangelte, an dem er die Wundmale des Herrn trug, mit dem er die Lehre des Evangeliums überall verkündete.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Freitag, 24. März 2017

Gedächtnis des hl. Apostels Paulus - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

30. Juni
Lesung 7-9
Matth. 10, 16-22
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus

Mit diesen Worten wollte er sagen: Laßt euch nich ängstigen, wenn ich euch unter die Wölfe schicke und doch auch wieder gebiete, wie Schafe und Tauben zu sein. Zwar könnte ich das Gegenteil tun und verhüten, daß ihr etwas schweres erduldet und nicht wie Schafe den Wölfen ausgeliefert seid, ich könnte vielmehr bewirken, daß ihr furchtbarer werdet als die Löwen. Doch so ist es besser; das wird euch mehr Glanz geben und wird meine Kraft deutlich zeigen. So sprach er auch später zu Paulus: Es genügt dir meine Gnade; denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung. Ich bin also daran schuld, daß ihr so seid. Doch wollen wir sehen, welche Klugheit der Herr verlangt: Die der Schlange. Die nSchlange gibt sich ganz hin und kümmert sich nicht darum, wenn auch ihr Leib zerschnitten wird, wenn sie nur den Kopf unverletzt bewahrt. So sollst auch du dich nicht kümmern, wenn du außer dem Glauben alles hergeben müsstest, dein Gold, deinen Leib, wenn du sogar dein Leben opfern müsstest. Denn der Glaube ist das Haupt und die Wurzel; wenn du ihn bewahrst, dann wirst du, selbst wenn du alles verlierst, dennoch alles mit noch größerer Herrlichkeit wiedererlangen. Deshalb hat der Herr geboten, nicht blos einfältig zu sein, und nicht blos klug; sondern er hat beides zusammen gewollt; das soll zur Tugend werden. Wenn du sehen willst, daß dies tatsächlich erfüllt wurde, so lies das Buch der Apostelgeschichte. Da wirst du sehen, wie das jüdische Volk sich häufig gegen die Apostel erhob und mit den Zähnen knirschte, wie sie aber die Einfalt wie die Tauben nachamten und mit geziemender Bescheidenheit Antwort gaben; so haben sie den Zorn der Juden überwunden, ihre wut gebrochen, die Verfolgung zum Stehen gebracht. Denn als jene sagten: Haben wir euch nicht streng verboten, in diesem Namen zu lehren? da haben sie, obwohl sie zahllose Wunder hätten wirken können, weder ein bitteres Wort gesprochen noch etwas derartiges getan, vielmehr mit größter Sanftmut erwidert: Urteilt selbst, ob es recht ist, mehr auf euch zu hören, als auf Gott. Hast du so die Einfalt der Tauben gesehen, so schau auch nun die Klugheit der Schlangen. Sie sagen euch: Wir können nicht schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Mittwoch, 22. März 2017

Hl. Bekenner Aloisius von Gonzaga - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

21. Juni
Lesung 7-9
Matth. 22, 29-40
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus
Die Jungfräulichkeit ist ein hohes Gut; das gestehe auch ich. Sie ist sogar besser als die Ehe; auch darin stimme ich dir bei. Ja, wenn du willst, füge ich noch hinzu; sie übertrifft die ehe so sehr an Wert, wie der Himmel über der Erde, wie die engel über den Menschen stehen; und wenn man noch mehr sagen soll, sie steht auch noch höher über ihr. Denn wenn die engel nicht heiraten und nicht verheiratet werden, so tragen sie eben auch nicht Fleisch und Blut; sie wohnen überdies auch nicht auf Erden, sind nicht den Reizen der Leidenschaften oder Begierden unterworfen, brauchen keine Speise und keinen Trank; sie sind nicht derart, daß ein süßer Gesang, eine weichliche Melodie oder eine schöne Gestalt sie locken könnte; sie können durch keine derartigen Lockungen verfangen werden. Obwohl das Menschengeschlecht unter diesen seligen Geistern steht, strebt es dennoch mit aller Kraft und allem Eiofer danach, soweit es möglich ist, ihnen gleichzukommen. Wie geht das? Die Engel heiraten nicht; auch die Jungfrauen nicht. Sie stehen allzeit vor Gott und dienen ihm; auch die Jungfrauen tun das. Solange die Jungfrauen noch von der Last des Körpers niedergehalten werden, können sie zwar nicht wie die Engel in den Himmel eingehen, aber sie haben dafür einen Ersatz in dem hohen Troste, daß sie den König des Himmels aufnehmen dürfen, wenn sie an Leib und Seele heilig sind. Siehst du also die Vortrefflichkeit des jungfräulichen Lebens, wie es die Erdenbewohner so sehr erhebt, daß sie, obwohl sie noch mit dem Körper bekleidet sind, dennoch den körperlosen Geistern gleich werden. Ich frage nun, welcher Unterschied besteht denn zwischen den Engeln einerseits und Elias, Eliseus und Johannes, diesen wirklichen Liebhabern der Jungfräulichkeit andererseits? Kein anderer, als daß sie eine sterbliche Natur besaßen. Denn, wenn man nur genau hinschaut, wird man finden, daß sie im übrigen jenen seligen Geistern in nichts nachstanden. Und gerade das, wodurch sie tiefer zu stehen scheinen, muß ihnen zum höchsten Lobe angerechnet werden. Denn schau, mit welcher Energie und Klugheit müssen diese Erdbewohner, die eine sterbliche Natur besaßen, ausgerüstet gewesen sein, daß sie durch gewaltiges Ringen zu dieser Tugend gelangen konnten!

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Mittwoch, 15. März 2017

2. Tag in der Oktav des Herz-Jesu-Festes - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 7-9
Joh. 19, 31-37
Auslegung des hl. Johannes Chrysotomus

Siehst du, wie machtvoll die Wahrheit ist? Durch die Leidenschaft der Juden wird die Prophezeiung erfüllt. Noch eine andere Weissagung erfüllte sich. Die Soldaten kamen nämlich den anderen die Gebeine, bei Christus aber taten sie es nicht. Den Juden zuliebe durchbohrten sie vielmehr seine Seite mit einer Lanze und schändeten so noch seinen Leichnam. Was war das für eine abscheuliche Freveltat! Doch rege dich nicht auf darüber, wende dich nicht ab, mein Lieber! Was sie in ihrer Boheit taten, war ein Dienst an der Wahrheit. Es gab ja eine Verheißung: Sie werden schauen auf den, den sie durchbohrt haben. Und nicht nur das. Was sie taten, war auch für die späteren Ungläubigen ein Beweis, so für Thomas und ähnliche. zudem vollzog sich hier auch ein unaussprechliches Geheimnis. Es floß blut und Wasser heraus. Nicht ohne Ursache, nicht zufällig flossen diese Quellen; aus diesen beiden wurde die Kirche gebildet. Das wissen die Getauften, die im Wasser wiedergeboren sind, die mit seinem Fleisch und blut sich nähren. Hier nahmen diese Geheimnisse ihren anfang; wenn du dich dem ehrwürdigen Tranke nahst, mußt du so herantreten, als wolltest du aus seiner Seite trinken. Und der es gesehen hat bezeugt es, und sein Zeugnis ist wahr. Das heißt: Nicht von anderen habe ich es gehört, sondern ich selbst war dabei und habe es gesehen. Und mein Zeugnis ist wahr. Ja, er hat recht. Er erzählte schmachvolle, nicht große, wunderbare Dinge; sonst könntest du dagegen Verdacht hegen. Der Apostel berichtet genau im Einzelnen, was geschehen ist. Er verstopft so den Häretikern den Mund, er weist hin auf die nahenden Geheimnisse, er kündet die reichen Schätze, die sie enthalten. Es erfüllte sich das Schriftwort: Sie sollen kein Bein an ihm zerbrechen. wohl ist das vom Osterlamm der juden gesagt; doch dies war das Vorbild, das der Wahrheit vorausging; in christus wurde es ganz erfüllt. Deshalb führt er das Wort des Propheten an. Wenn er sich selbst als Zeugen angeführt hätte, wäre er nicht von allen als glaubwürdig angesehen worden. Deshalb führte er Moses an und zeigte damit, daß es nicht zufällig geschah, sondern daß es schon längst in der Schrift vorhergekündet war. Darum heißt es: Sie sollen kein Bein an ihm zerbrechen. Damit schaffte er auch dem Propheten wieder mehr Glaubwürdigkeit. Dies sage ich, so denkt er, damit ihr wisset, welch große Übereinstimmung zwischen dem Vorbild und seiner Erfüllung besteht. Siehst du, wie sehr er sich bemüht, daß das Schändliche, das Schimpfliche Glauben findet? Denn wenn ein Leichnam durch einen Soldaten geschändet wurde, so war das weit schlimmer, als wenn er gekreuzigt wurde. Dennoch berichte ich es, so will er sagen, und ich berichte es ganz genau, damit ihr glaubt. Darum soll niemand den Glauben verweigern! Niemand soll aus Scham unserer Sache schaden! Denn was uns der größte Schimpf zu sein scheint, das ist für uns das größte Glück und die größte Ehre.


(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Donnerstag, 9. März 2017

5. Tag in der Oktav von Fronleichnam - hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 4-6

Aus der Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Mit jedem Gläubigen vereint sich Jesus Christus durch die Sakramente; er selbst nährt die, denen er das Leben geschenkt, und überlässt sie keinem anderen. So beweist er dir aufs neue, daß er dein Fleisch angenommen hat. Darum dürfen wir auch nicht träge sein, nachdem wir so großer Liebe und Ehre gewürdigt worden sind. Seht ihr nicht, mit welcher Begierde Säuglinge nach der Mutterbrust verlangen, mit welchem Ungestüm sie ihre Lippen daran heften? Mit der gleichen Sehnsucht wollen wir zu diesem Mahle, zur Quelle des geistigen Trankes, hinzutreten. Ja, mit noch viel größerem Verlangen wollen wir so wie Säuglinge die Gnade des Geistes aufnehmen; der einzige Schmerz für uns sei, diese Speise entbehren zu müssen. Es ist nicht Menschenwerk, was uns hier geboten wird, er selbst, der es damals im abendmahlsaal gewirkt hat, wirkt es auch jetzt noch. Wir sind nur seine Werkzeuge; er ist es, der diese Speise heiligt und verwandelt. Kein Judas trete darum herzu, kein Geiziger; solche leidet dieser Tisch nicht. Nur wer sein Jünger ist, darf hier erscheinen; er sagt ja: Mit meinen Jüngern halte ich das Ostermahl. Hier ist derselbe Tisch wie damals; dieser hier steht jenem in nichts nach. Man denke nicht: Jenen hat Christus bereitet, diesen nur ein Mensch; auch diesen hier hat er selbst bereitet. Kein Gefühlloser darf hinzutreten, kein Hartherziger, kein Unbarmherziger oder gar Unreiner. Das sage ich euch, die ihr das Sakrament empfangt, sowie auch euch, die ihr es ausspendet. Denn auch an euch muss ich mich wenden, damit ihr mit großer Sorgfalt diese Gaben austeilt. nicht gering wird die Strafe für euch sein, wenn ihr einen, dessen schwere Schuld euch bekannt ist, an diesem Tische teilnehmen lasst, sein Blut wird von euren Händen gefordert werden. Mag es ein Offizier, ein Staatsbeamter, ein gekrönter Fürst sein, wenn er unwürdig hinzutritt weise ihn zurück! Hier hast du größere Gewalt als er. Dazu hat euch Gott diese Würde gegeben, daß ihr hier richtig entscheidet. Darin besteht eure Würde, eure Sicherheit, eure ganze Krone, nicht darin, daß ihr ein weißes, prächtiges Gewand tragen dürft. Aber auch du, lieber Laie, wenn du den Priester beim Opfer siehst, glaube ja nicht, es sei der Priester, der es tut, sondern bedenke, daß Christus unsichtbar seine Hand ausstreckt. Beherzigen wir also, Priester wie Untergebene, welcher speise wir gewürdigt werden, beherzigen wir es und zittern wir. Er gibt uns sein heiliges Fleisch zu essen, er bietet sich uns als Opferspeise dar. Welche Entschuldigung werden wir haben, wenn wir, mit solcher speise genährt, noch solche Sünden tun? Wenn wir das Lamm genießen und trotzdem Wölfe werden? Wenn wir, wie Schafe uns weiden lassen und dennoch wie Löwen auf Raub ausziehen? Denn dieses Sakrament verlangt, daß wir nicht nur von Raubgier, sondern auch von jeder anderen, selbst der geringfügigsten feindseligen Gesinnung gänzlich frei sind. Denn es ist ein heiliges Friedensmahl. Bei den Juden hat Gott die Erinnerung an die ihnen gewährten Wohltaten an bestimmte, jedes Jahr wiederkehrende Festtage geknüpft; dir hält er jeden Tag dieses heilige Gedächtnismahl bereit. Kein Judas erschein daher an diesem Tisch, kein Simon; beide kamen wegen ihrer Geldgier um. Diesen Abgrund wollen wir also vermeiden.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Sonntag in der Oktav von Fronleichnam - hl. Chrysotomus aus dem Brevier

Lesung 4-6
Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Da das ewige Wort sagt: das ist mein Leib, wollen wir ihm zustimmen und ihm glauben und mit den augen des Geistes ihn betrachten. Christus hat uns nichts sinnfälliges hinterlassen, sondern alles übersinnlich, wenn auch eingehüllt unter sinnfälligen Zeichen. So ist es auch bei der Taufe. durch ein mit den Sinnen wahrnehmbares Element, durch Wasser, wird uns die Gnade geschenkt; die wirkung selbst, die wiedergeburt und die Erneuerung, ist übersinnlich. Wärest du körperlos, so hätte der Herr dir seine Gnaden auch unverhüllt und ohne Bindung an körperliche Dinge geschenkt; weil aber deine Seele mit dem Leibe verbunden ist, darum reicht er dir unter sinnfälligen Zeichen das Übersinnliche. Wieviele sagen: Ich möchte gerne seine Gestalt, sein Äußeres, seine Kleider, seine Schuhe sehen. Schau, du siehst ihn doch, berührst ihn, genießt ihn. Du wünscht seine Kleider zu sehen; er läßt sich von dir nicht nur anschauen, sondern auch genießen, berühren, in dein Herz aufnehmen. Keiner trete also mit Widerwillen hinzu, keiner mit Gleichgültigkeit, vielmehr alle voll Liebesglut, voll Feuer und Begeisterung. Wenn die Juden im Stehen, mit Schuhen an den Füssen, mit einem Stock in der Hand in eile ihr Osterlamm aßen, dann mußt du noch viel eifrigen sein; jene wollten nach Palästina ziehen und taten deshalb, wie reisende es machen; du sollst in den Himmel pilgern. Darum mußt du stets wachsam sein; denn denen, die unwürdig ihm empfangen, steht keine geringe Strafe bevor. Bedenke, wie sehr du dich entrüstest über den Verräter und über die, welche den Herrn kreuzigten. gib darum acht, daß nicht auch du dich am Leibe und Blute Christi dich versündigst! Jene haben seinen hochheiligen Leib getötet, du nimmst ihn in dein sündiges Herz auf, und dies nach so vielen wohltaten. Es war ihm nicht genug, Mensch zu werden, sich geißeln und kreuzigen zu lassen, er vereinigt sich sogar mit uns und gliedert uns nicht nur durch den Glauben, sondern in Wirklichkeit seinem Leibe ein. Wie rein muss also der sein, der an diesem Ostermahl teilnimmt! Muß die Hand, die diesen Leib ausspendet, nicht glänzender als der Strahl der Sonne sein? Ebenso der Mund, der mit diesem geistigen Feuer erfüllt wird, die Zunge, die vor diesem ehrfurchtgebietenden Blute gerötet wird? Beherzige, was das für eine Ehre für dich ist, was für ein Mahl du geniessen darfst! Die Engel zittern bei seinem anblick und wagen es nicht, wegen seines hellen Glanzes ihn offen anzuschauen; wir aber dürfen ihn empfangen, wir werden mit ihm vereint, wir werden ein Leib und ein Fleisch mit christus. Wer kann die Großtaten des Herrn schildern, wer kann künden all sein Lob? Welcher Hirt nährt seine Schafe mit seinem eigenen Blute? Was sage ich, Hirt? Es gibt sogar viele Mütter, die nach der schmerzvollen Geburt ihre Kinder anderen zur Ernährung übergeben. Er tat das nicht, vielmehr nährt er uns mit seinem eigenen Blute und vereinigt sich voll und ganz mit uns.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

3. Tag in der Oktav von Fronleichnam - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 4-6
Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Geliebteste! Wir müssen in das wundervolle Geheimnis einzudringen suchen, was es ist, warum es uns gegeben wurde, welchen Segen es uns bringt. Es heißt: Wir weden ein Leib, glieder an seinem fleisch und seinem Bebein. Da wir in seine Lehre eingeweiht sind, wollen wir ihnen auch folgen. Damit wir nicht bloß durch die Liebe, sondern in voller wirklichkeit mit ihm eins werden, wollen wir mit diesem Fleische uns vereinigen. Das geschieht durch die Speise, die er uns verliehen hat, da er uns seine große Liebe zu uns zeigen wollte. Darum hat er sich mit uns vereinigt und seinen Leib uns geschenkt, damit wir mit ihm eins werden, so wie Haupt uns Leib eins sind. Das ist ein Zeichen der höchsten Liebe. Wie feuersprühende Löwen wollen wir also von diesem Tische weggehen; hier werden wir ein Schrecken für den Teufel; an unser Haupt und an die Liebe, die er uns erwiesen, wollen wir denken. eltern übergeben ihre Kinder häufig andern, um sie zu ernähren; ich aber, spricht Christus, mache es nicht so, ich nähre euch mit meinem Fleische, ich biete mich selbst euch dar, ich will, daß ihr alle geadelt werdet, ich möchte euch eine frohe Hoffnung für die Zukunft bieten. Wenn ich mich schon hier auf Erden euch mitgeteilt habe, so werde ich das in viel höherem Grade noch in der Zukunft tun. Ich wollte euer Bruder werden, nahm euretwegen Fleisch und Blut an; dieses Fleisch und dieses Blut, durch das ich euer Bruder geworden bin, gebe ich euch nun wieder hin.Geliebteste! Da wir so große Segnungen empfangen dürfen, wollen wir unds auch sehr in acht nehmen! Wenn die Zunge etwas häßliches sprechen will, wenn der Zorn oder eine andere Leidenschaft und überwältigen will, dann wollen wir bedenken, welche Gaben wir empfangen dürfen, und dieser Gedanke soll dann die vernunftwidrigen Regungen in uns mäßigen. So oft wir also diesen Leib empfangen und dieses Blut verkosten, wollen wir bedenken, daß wir den genießen, der im Himmel trohnt, der von den engeln angebetet wird, der bei der unvergänglichen Allmacht weilt. Mein Gott, wieviele Wege zum Heile stehen uns offen! Er hat uns seinem Leibe eingegliedert, er reicht uns seinen Leib, und doch kann uns nichts vom Bösen abhalten!
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Mittwoch, 1. März 2017

Montag in der Oktav der Himmelfahrt des Herrn - hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 4-6
Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Als Christus zum Himmel auffuhr, brachte er dem Vater die Erstlinge unserer Natur dar. Der Vater blickte mit Bewunderung auf diese Gabe, einerseits wegen der Würde dessen, der sie darbrachte, andererseits auch wegen der Makellosigkeit der Gabe selbst. Er nahm die Gabe bei der Hand, führte sie zu seinem Throne, ja, was noch mehr ist, er setzte sie zu seiner Rechten. Wir wollen sehen wer der ist, der hören durfte: Setze dich zu meiner Rechten! und was für eine Natur es war, zu der Gott sagte: Teile mit mir meinen Thron! Es ist jene Natur, die einst das Wort hören mußte: Du bist Staub, und sollst wieder zu Staub werden. Es war ihm nicht genug, in die Vollkommenheit des Himmels einzuziehen und bei den Engeln zu sein. Er drang vielmehr in den Himmel ein, stieg empor über die Cherobim, erhob sich über die Seraphim und machte nicht eher Halt, als bis er den Thron des Herrn erreicht hatte. Bedenke doch, welch ein Abstand ist zwischen Himmel und Erde, ja, wie weit die Hölle von der Erde entfernt ist, wie weit es ist im Himmel bis zu den obersten Sphären, von da bis zu den Engeln, bis zu den höchsten Mächten, bis zum Throne Gottes selbst! Über all das wurde unsere Natur emporgehoben; der Mensch, der so tief gefallen war, daß er nicht tiefer hätte sinken können, wurde zu einem so erhabenen Throne emporgehoben, daß er nicht mehr höher steigen konnte. Das meint auch Paulus, wenn er sagt: Der hinabstieg, ist derselbe, der auch hinauffuhr. Und wiederum. Er stieg herab auf die Erde hier unten und stieg empor über alle Himmel. Merkt euch also, wer da aufgefahren ist und welche Natur erhoben wurde! Ich verweile gern bei diesem Gegenstand. Wenn wir an das ganze Menschengeschlecht denken, dann können wir nur staunen über die Güte Gottes, der eine solche Ehre und Herrlichkeit unserer Natur verliehen hat. Heute sah man sie erhöht über alles andere; heute sahen sie Engel und Erzengel, wie unsere Natur auf dem Throne des Herrn in unvergänglicher Herrlichkeit glänzte.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Sonntag, 26. Februar 2017

Hl. Apostel Barnabas - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

11. Juni
Lesung 7-9
Matth. 10, 16-22
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus
Nachdem der Herr alle Sorge aus den Herzen der Jünger genommen, nachdem er sie gewappnet hatte durch die Wunder, die er vor ihren Augen gewirkt, nachdem er sie von allen irdischen Dingen losgelöst, von aller Sorge um zeitliche Dinge freigemacht und sie so gleichsam eisern und stahlhart gemacht hatte, nun erst sagte er ihnen bevorstehenden Schwierigkeiten voraus. viele Vorteile ergaben sich aus dieser Vorherverkündigung der kommenden Dinge. Zunächst erkannten sie, daß er die Gabe hatte, die Zukunft vorauszuwissen; sodann konnte niemand auf den Gedanken kommen, die schweren Leiden rührten von der Ohnmacht des Meisters her; ferner konnten die, die solches leiden mussten, nicht in Verwirrung geraten, wenn es einmal ganz plötzlich und unvermutet eintrat; schließlich brauchten sie nicht außer Verfassung zu geraten, wenn sie es kurz vor seinem Leiden und sterben gehört hätten. Damit sie aber auch merkten, daß es sich um eine neue Kriegsart und eine ganz ungewohnte Kampfesweise handelte, da er sie ohne jede Kampfesausrüstung aussandte, nur mit einem Rock bekleidet, ohne Schuhe, ohne Stock, ohne Gürtel und ohne Tasche, da er ihnen gebot, bei gastfreundlichen Menschen um Nahrung zu bitten, darum beendigte er hier seine Rede noch nicht, sondern zeigte ihnen auch noch seine wunderbare Macht, indem er sprach: Auch wenn ihr so dahinzieht, sollt ihr dennoch die Sanftmut der Schafe bewahren, obgleich ihr zu Wölfen gehen müsst, und nicht bloß zu wölfen, sondern sogar mitten unter die Wölfe. Ja sie sollten nicht nur die Sanftmut der Schafe besitzen, sondern auch die Einfalt der Tauben. So werde ich dann meine Kraft ganz deutlich zeigen, wenn wölfe von den Schafen überwunden werden, wenn sie, obwohl sie mitten unter Wölfen sind und zahllose Bisse empfangen, nicht nur nicht umgebracht werden, sondern sogar jene noch nach ihrem Vorbilde umformen. Es ist doch sicher größer und bewundernswerter, die Gegner umzustimmen und umzuformen, als sie zu töten, zumal da sie nur zwölf waren, die Welt aber voll von Wölfen war. Schämen wir uns also, die wir gerade das Gegenteil tun und uns wie Wölfe auf unsere Gegner stürzen. Solange wir Schafe sind, werden wir Sieger bleiben; auch wenn tausend Wölfe um uns wüten, wir werden sie überwinden und siegreich bleiben. Wenn wir aber Wölfe werden, dann werden wir unterliegen. Denn dann zieht der gute Hirt seine Hilfe von uns zurück, da er nicht Wölfe sondern Schafe weidet.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Freitag, 24. Februar 2017

Hl. Bekenner Johannes Baptist de la Salle - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

15. Mai
Lesung 7-9
Matth. 18, 1-5
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus

Seht zu, daß ihr keines von diesen Kleinen verachtet; denn ihre Engel schauen immerfort das Angesicht meines Vaters, und ich bin ihretwegen gekommen; das ist der Wille meines Vaters. Er empfiehlt uns, mit besonderer Sorgfalt auf den Schutz und die Bewahrung der Kinder bedacht zu sein. Du siehst doch, welche gewaltigen Mauern er zum Schutz der Kleinen aufgerichtet hat, welchen Eifer und welche Sorge er hat, daß sie nicht zugrunde gehen. Zunächst droht er denen, die sie verachten, die schlimmsten Strafen an, dann verheißt er den reichsten Lohn denen, die für sie sorgen, und er bekräftigt dies durch sein und seines Vaters Beispiel. So wollen auch wir den Herrn nachahmen und keine Arbeit für unsere Brüder unterlassen, selbst wenn sie niedrig und allzu minderwertig zu sein scheint. Vielmehr soll uns, wenn unsere Hilfe einmal notwendig ist, selbst wenn der, dem unser Dienst gilt, ganz gering und verachtet ist, selbst wenn der Dienst selbst uns schwierig und mühevoll scheinen will, trotz alledem soll uns, ich bitte euch, mit Rücksicht auf das Wohl des Bruders all das erträglich und leicht vorkommen! Denn Gott hat gezeigt, daß die Seele diese Mühe und Sorge wert ist, da er nicht einmal seinen eigenen Sohn geschont hat. Um selig zu werden, genügt es also nicht, selbst tugendhaft zu leben, sondern wir müssen auch für das Wohl unserer Mitmenschen tatkräftig sorgen. Wie wollen wir uns also einst rechtfertigen, wenn wir selbst nicht tugendhaft leben, und auch andere nicht dazu anhalten? Wie können wir dann noch auf die ewige Seligkeit hoffen? Was gibt es größeres, als Seelen zu leiten, als junge Leute zu bilden? Ich glaube, einer der es verstehet, die Herzen junger Menschen zu formen, steht weit höher als ein Maler, ein Bildhauer oder ähnliche Künstler.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Dienstag, 21. Februar 2017

Samstag in der Oktav des Hochfestes des hl. Joseph - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 4-6

Aus der Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Gattin, zu dir zu nehmen. Was soll das heißen: zu sich nehmen? Doch sicherlich: bei sich behalten. Denn im Geiste hatte er sich schon von ihr losgesagt. Du sollst die Entlassene zurückbehalten, heißt es, denn Gott verbindet sie mit dir, nicht deine Eltern. Er gibt sie dir, nicht zu einer vollkommenen ehelichen Gemeinschaft, wohl aber um mit ihr zusammenzuleben in einer und derselben Wohnung, und zwar jetzt durch mein Wort. Denn so wie Christus später seine Mutter dem Jünger anvertraut, so übergibt sie jetzt der Engel dem Bräutigam. Sie soll an ihm nur einen Beistand haben, ohne einen wirklichen Ehebund. Alsdann gibt er in seiner, ehrbaren Weise Aufklärung über ihre Empfängnis und nimmt damit jeglichen Verdacht hinweg. Sie wurde, sagt er, durch keinen unerlaubten Umgang geschändet, sondern wurde auf ungewohnte, übernatürliche Weise Mutter. Sei also nicht traurig ob dieser glückbringenden Empfängnis deiner Braut, vielmehr jauchze in höchster Freude; denn was sie empfangen hat, das ist vom Heiligen Geiste. Sie wird einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Wenn es auch das Werk des Heiligen Geistes ist, so sollst du doch nicht von der Mitwirkung bei diesem großen Geschehen ausgeschlossen sein. Denn wenn du auch keinen Anteil hast an dieser Empfängnis, sie ist ja unversehrt Jungfrau geblieben, so überlasse ich dir doch gerne das Recht, das jedem Vater zusteht, dem Kind den Namen zu geben; dadurch erleidet ja auch der Würde der Jungfrau in keiner Weise einen Eintrag. Du sollst ihn also zuerst mit Namen nennen. Wenn es auch nicht dein Kind ist, so sollst du doch wie ein Vater dafür sorgen, und darum knüpfe ich schon in dem Augenblick, wo du ihm den Namen gibst, ein Band zwischen dir und ihm. Damit aber keiner ihn deswegen für den Vater des Kindes halte, sagt er: Sie wird einen Sohn gebären. Er sagt nicht: Sie wird dir einen Sohn gebären; er spricht vielmehr ganz unbestimmt und allgemein. Denn Maria hat Christus nicht ihm, sondern der ganzen Welt geboren. Deshalb berichtet auch der Evangelist, daß ein Engel Jesu Namen vom Himmel gebracht hat; auch durch den Hinweis darauf, daß sein Name von Gott durch einen Engel dem Joseph mitgeteilt wurde, will er andeuten, daß es sich um eine ganz wunderbare Geburt handelt. Auch der Name selbst wurde nicht ohne Bedeutung gewählt; er enthält sicher unzählbare, kostbare Schätze. Darum erklärte ihn auch der Engel näher, um dem Joseph in seiner Niedergeschlagenheit wieder Mut zu machen. Zugleich lädt er ihn damit ein, seinen Worten Glauben zu schenken. Wir lassen uns ja leicht gewinnen für etwas, was uns angenehm ist, und schenken günstige Nachrichten schneller Glauben. Er sagt also: Er wird sein Volk erlösen von seinen Sünden. Eine ganz neue segensreiche Tätigkeit wird da erwähnt. Nicht von sichtbaren Feinden, nicht vom Schwert der Barbaren, sondern noch viel mehr, von der Sünde soll sein Volk erlöst werden. Das hat bis dahin noch kein Mensch fertiggebracht.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Freitag in der Oktav des Hochfestes des hl. Joseph - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

Lesung 4-6
Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Im Altertum war es vielfach Sitte, daß die Braut im Hause des Bräutigams lebte. So wohnte auch Maria mit ihrem Bräutigam zusammen. Warum hat die Jungfrau nicht schon vor ihrer Verlobung empfangen? Sicherlich, damit das hohe Geheimnis vorläufig den Menschen verborgen blieb und die Jungfrau vor jedem falschen Verdacht sicher war. Denn wenn man sieht, wie Joseph, der doch mit Recht hätte eifersüchtig werden können, seine Braut nicht verstößt und sie nicht der Schande überläßt, vielmehr sie in sein Haus aufnimmt und auch noch nach der Empfängnis für sie sorgt, da wird einem doch klar, daß er genau wußte, daß ihre Empfängnis vom Heiligen Geist gewirkt war; denn sonst hätte er sie niemals bei sich behalten und wäre ihr nicht in allen Dingen behilflich gewesen. Joseph aber, der gerecht war und sie nicht in üblen Ruf bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu entlassen. Nachdem der Evangelist gesagt hat, daß die Empfängnis durch den Heiligen Geist geschehen sei, ohne jede eheliche Gemeinschaft, bestätigte er das gesagte auf andere Weise. Es sollte nämlich niemand sagen: Wie kann man das beweisen? Wer hat es gesehen? Wer hat jemals etwas ähnliches gehört? Und es sollte niemand meinen, der Evangelist habe das alles erdichtet, um bei seinem Meister gut zu stehen. Deshalb führte er den Joseph an, der aus eigener Erfahrung das Gesagte bestätigen kann. Der Evangelist will damit gleichsam sagen: Wenn du mir nicht glaubst und mein Zeugnis dir vielleicht verdächtig vorkommt, dann glaub doch wenigstens dem Gatten. Es heißt nämlich: Joseph, ihr Gatte, war gerecht. Gerecht ist hier, sowie in jeder Beziehung vollkommen. Da er also gerecht, d.h. ein braver, guter Mann war, gedachte er, sie heimlich zu entlassen. Der Evangelist berichtet, was geschah, bevor Joseph den Sachverhalt kannte, damit du umso eher glaubst, was nachher geschah. Wenn Maria wirklich so gewesen wäre, wie der Verdacht es nahelegte, dann hätte sie nicht nur öffentlich bloßgestellt, sondern auch nach dem Gesetze bestraft zu werden verdient; doch Joseph wollte sie nicht nur vor der Strafe retten, sondern sie nicht einmal in Verlegenheit bringen. Da siehst du also, wie dieser edeldenkende Mann frei war von tyrannischer Leidenschaft. Dabei konnte man nicht einmal mehr von einem blosen Verdacht reden, wo doch ihr Äußeres schon den Gedanken nahelegte, daß es wirklich so sei. Aber dieser Mann war von jeder Leidenschaft frei ud er wollte der Jungfrau nicht einmal das geringste Leid zufügen. Wohl lebte er noch unter dem Gesetze und doch dachte er schon höher als das Gesetz. Beim Herannahen der Gnade mußten auch Beispiele höherer Tugend aufleuchten.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)