hl. Vinzenz von Lerin)
15. Warum Gott duldet, dass manchmal sonst ausgezeichnete Männer in der Kirche neue Glaubenssätze aufstellen.
Aber wird einer sagen: Warum also wird es von Gott so oft zugelassen, dass Personen, die innerhalb der Kirche stehen, den Katholiken Neues verkünden? Eine berechtigte Frage und wert, sorgfältiger und eingehender behandelt zu werden; doch soll ihr nicht nach meinem eigenen Verstande, sondern nach dem Ansehen des göttlichen Gesetzes, nach dem Ausspruche des kirchlichen Lehramtes Genüge geschehen. Hören wir also den heiligen Moses; er selber soll uns lehren, warum es gelehrten Männern und solchen ,welche wegen der Gabe der Wissenschaft von dem Apostel sogar Propheten genannt werden, bisweilen gestattet wird, neue Glaubenssätze vorzubringen, welche das Alte Testament in allegorischer Sprache fremde Götter zu nennen pflegt, deshalb, weil nämlich von den Häretikern deren Meinungen so, wie von den Heiden jene Götter verehrt werden. Es schreibt also der selige Moses im Deuteronomium (V. Mos. 13,1-3): „Wenn aufsteht", sagt er, „in deiner Mitte ein Prophet oder einer, der ein Traumbild gesehen zu haben vorgibt", das heißt, ein in der Kirche aufgestellter Lehrer, von dem seine Schüler oder Zuhörer glauben, dass er zufolge irgend einer Offenbarung lehre. Was weiter? „Und er sagt voraus", heißt es, „ein Zeichen oder Wunder, und es trifft ein, was er gesprochen hat". Es wird in der Tat ein großer, ich weiß nicht, was für ein Lehrer