Mittwoch, 1. März 2017

Samstag in der Oktav der Himmelfahrt des Herrn - hl. Papst Gregor aus dem Brevier


Lesung 7-9
Mark. 16, 14-20
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Es werden aber denen, die glauben, diese Wunder folgen: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, in neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden. Meine Brüder, seid ihr nun etwa keine rechten Gläubigen, weil ihr diese Wunder nicht wirken könnt? Doch; diese Wunder waren notwendig in den ersten Zeiten der Kirche; damit die Menge der Gläubigen im Glauben wachse, mußte sie durch Wunder genährt werden. Wir begießen ja auch, wenn wir junge Bäumchen pflanzen, diese so lange mit Wasser, bis wir merken, daß sie im Boden Wurzeln gefaßt haben. Haben sie einmal Wurzeln geschlagen, dann hören wir auf, sie zu begießen. Darum sagt auch der hl. Paulus: Die Sprachengabe ist ein Wunderzeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen. In diesen Wunderwerken aber liegt noch etwas, was wir genauer betrachten müssen. Die heilige Kirche tut nämlich alle Tage in geistiger Weise das, was sie ehemals durch die Apostel in leiblicher Weise getan hat. Denn wenn ihre Priester den Gläubigen beim Exorzismus die Hände auflegen und die Teufel nicht mehr länger in ihnen wohnen lassen, was tun sie da anderes, als daß sie die Teufel austreiben? Und die Gläubigen, die von den weltlichen Gesprächen, die sie früher immer führten, ablassen und nun über die heiligen Geheimnisse des Glaubens reden und nach Kräften das Lob und die Macht ihres Schöpfers verkünden, was tun sie da anderes, als daß sie in neuen Sprachen reden? Und wenn sie durch fromme Mahnungen die Bosheit aus den Herzen der andersn nehmen, heben sie da nicht Schlangen auf? Und wenn sie schlechte Redensarten anhören müssen, aber denoch zu keiner schlechten Handlung sich verleiten lassen, so ist der Trank den sie nehmen, zwar tödlich, aber er kann ihnen nicht schaden. Sooft sie merken, daß ihre Nächsten im Guten nachlässig werden, und ihnen dann mit ihrer ganzen Kraft zu Hilfe eilen und durch ihr gutes Beispiel die andern, die in ihrem Tun wankend werden, wieder stärken, was tun sie da anderes, als daß sie Kranken die Hände auflegen, daß sie gesund werden? Fürwahr, diese Wunderzeichen sind um so größer, je geistiger sie sind; sie sind um so wichtiger, weil nicht der Leib, sondern die Seele zu neuem Leben erweckt wird.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

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