Mittwoch, 15. März 2017

Sonntag in der Oktav des Herz-Jesu-Festes - Papst Pius XI. aus dem Brevier

Lesung 4-6
Aus dem Rundschreiben des Papstes Pius XI.

Unter allen Andachtsübungen, die mit der Herz-Jesu-Verehrung zusammenhängen, ragt vor allem hervor und ist besonderer Erwähnung wert die gläubig fromme Weihe, indem wir uns und alles, was wir haben, was wir der ewigen Güte Gottes verdanken, dem göttlichen Herzen Jesu darbringen. Dazu muss aber noch etwas anderes kommen. Wir meinen die Pflicht entsprechender Genugtuung oder sühne, die wir dem heiligsten Herzen Jesu schuldig sind. Bei der Weihe ist unsere erste und vorwiegende absicht, die Liebe des Schöpfers zu erwidern. Daraus ergibt sich von selbst ein Zweites. so oft nämlich die unerschaffene Liebe aus Vergesslichkeit nicht beachtet oder durch Sünden beleidigt wurde, muss das ihr angetane Unrecht wieder gutgemacht werden. Diese Pflicht nennen wir gewöhnlich Sühne. Hierzu, zur Gegenliebe und zur Sühne, drängen uns die gleichen Gedanken. Zur Sühne verpflichten uns  jedoch ein noch viel stärkerer Beweggrund der Gerechtigkeit und Liebe; der Gerechtigkeit, denn durch unsere Missetaten Gott zugefügten Beleidigungen müssen wieder gutgemacht, die gestörte Ordnung muß durch Buße wieder hergestellt werden; der Liebe, denn wir wollen mit Christus, der gelitten hat und mit Schmach gesättigt wurde, mitleiden und ihm nach unseren schwachen Kräften etwas Trost bereiten. Wir sind ja alle Sünder und mit vieler Schuld beladen. Wir müssen Gott nicht nur in der Weise ehren, daß wir seiner höchsten Majestät, wie es sich gebührt, unsere Anbetung und Huldigung darbringen, seine höchste Herrschermacht anerkennen, und zu ihm beten, seine unendliche Güte dankend preisen. Wir müssen Gott, dem gerechten Richter, auch Genugtuung leisten für unsere unzählbaren Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten. Zu der nWeihe, durch die wir Gott uns schenken und darum gottgeweiht heißen, Gott geweiht für immer, wie es eben nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin die Weihe bewirkt, zu dieser Weihe muss die Sühne hinzukommen, durch die unsere Sünden völlig getilgt werden; sonst könnte uns der allheilige und gerechte Gott uns Unwürdige, wenn wir uns zu ihm wagen, verstoßen und unsere Opfer mit abscheu von sich weisen, statt es mit Wohlgefallen anzunehmen. Diese Sühnepflicht obliegt der ganzen Menschheit. Denn der christliche Glaube lehrt uns, daß seit dem beklagenswerten Sündenfall Adams die ganze Menschheit durch Erbschuld vergiftet, mit böser Begierlichkeit behaftet und schwer geschädigt ist. Sie wären der ewigen Verdammnis anheim gefallen. Stolze Geister unserer Tage wollen das nicht anerkennen. Sie nehmen den alten Irrtum des Pelagius wieder auf und behaupten, der Mensch sei von Natur aus gut und könne sich infolgedessen aus eigener Kraft immer höher emporarbeiten. Doch diese falschen Meinungen menschlichen Stolzes verwirft der Apostel, indem er uns daran erinnert, daß wir von Natur Kinder des Zornes waren. In wirklichkeit haben auch schon von Anfang an die Menschen diese allgemeine Sühnepflicht in etwa anerkannt und aus einem gewissen natürlichen Bedürfnis heraus Gott durch Opfer, selbst durch Opfer der Allgemeinheit zu versöhnen gesucht.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

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