Sonntag, 5. März 2017

Mittwoch in der Oktav von Pfingsten - Hl. Augustinus aus dem Brevier

Lesung 1-3
Joh. 6, 44-52

Auslegung des hl. Bischofs Augustinus
Glaube ja nicht, daß du gegen deinen Willen gezogen wirst! Auch durch Liebe kann das Herz gezogen werden. Wir brauchen auch nicht zu fürchten, daß wir von Menschen, welche die Worte kritisch abwägen, aber vom Verständnis göttlicher Dinge weit entfernt sind, wegen dieses Wortes der Heiligen Schrift vielleicht getadelt werden und daß sie uns sagen: Wie ist mein Glaube eine freie Willenstat, wenn ich gezogen werde? Ich sage: Vom freien Willen ist noch zu wenig, zu wirst auch von der Lust gezogen werden. Habe deine Lust an dem Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt. Es gibt eine Lust des Herzens, der das Himmelsbrot süß ist. Wenn ferner der Dichter sagen durfte: Jeden zieht seine eigene Lust, also nicht die Notwendigkeit, nicht die Pflicht, sondern die eigene Lust; mit welch größerem Rechte dürfen wir dann sagen, daß der Mensch zu Christus hingezogen wird, wenn er seine Lust hat an Wahrheit, Seligkeit, Gerechtigkeit, am ewigen Leben; denn das alles ist Christus. Oder haben nur die Sinne des Leibes ihre Freude, muss die Seele die Freude ganz entbehren? Wie könnte es dann aber heißen: Die Menschenkinder suchen Schutz im Schatten deiner Flügel; sie werden satt von deines Hauses Fülle und mit dem Strome deiner Wonne tränkst du sie. In dir ist ja der Born des Lebens, und in deinem Lichte schauen wir das Licht. Bring mir einen der Liebe hat: der versteht was ich sage. Bring mir einen der Sehnsucht hat, der hungert, einen, der in dieser Wüste pilgert, der dürstet nach dem Quell des ewigen Vaterlandes; einen solchen bring mir; der weiß was ich sagen will. Wenn ich es einem kühlen Menschen sage, der versteht freilich nicht, was ich sage. So waren die, die untereinander murrten. Wen der Vater zieht, heißt es, der kommt zu mir. Was soll das aber heißen: Wen der Vater zieht, da doch Christus selbst zieht? Warum wollte er sagen: Wen der Vater zieht? Wenn wir gezogen werden müssen, dann sollen wir doch von dem gezogen werden müssen, zu dem eine liebende Seele gesprochen hat: Wir eilen dem Wohlgeruch deiner Salben nach. Was er damit sagen wollte, das wollen wir überlegen, meine Brüder, und soweit als möglich erfassen. Der Vater zieht zum Sohne alle, die deshalb an den sohn glauben, weil sie wissen, daß er Gott zum Vater hat. Denn Gott der Vater zeugte aus sich den wesensgleichen Sohn. Wer weiß, und im Glauben festhält und zu erfassen sucht, daß der Sohn, an den er glaubt, dem Vater wesensgleich ist, den zieht der Vater zum Sohne.  Arius hielt ihn für ein Geschöpf; ihn zog der Vater nicht; denn der kennt den Vater nicht, der den Sohn nicht für wesensgleich mit dem Vater hält. Was sagst du Arius? Was sagst du, Häretiker? Was behauptest du? Wer ist Christus? Er ist nicht wahrer Gott, sagst du, sondern nur ein Geschöpf des wahren Gottes. Dich hat der Vater nicht gezogen; denn du kennst den Vater nicht, da du seinen Sohn leugnest. Du behauptest etwas anderes: Er sei gar nicht der Sohn. du wirst also weder vom Vater gezogen, noch zum Sohne hingezogen. Denn etwas anderes ist der Sohn und etwas anderes, was du sagst. Photinus behauptete: Christus ist ein bloßer Mensch, er ist nicht Gott. Wer so glaubt, auch den hat der Vater nicht gezogen. Wen zieht nun der Vater? Den, der spricht: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Wenn du dem Schafe einen grünen Zweig hinhälst, ziehst du es zu dir; wenn man einem Knaben Nüsse zeigt, lockt man ihn damit an. Wem er nachläuft, von dem wird er angezogen, durch Liebe, ohne körperlichen Zwang, durch Zuneigung des Herzens. Wenn also das, was an irdischen Gelüsten und Freuden den Liebhabern vorgehalten wird, sie lockt und anzieht, weil das Wort eben wahr ist: Jeden zieht seine eigene Lust - wie sollte da der vom Vater geoffenbarte Christus nicht anziehen? Denn was verlangt die Seele heißer als die Wahrheit?



(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

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