Donnerstag, 2. März 2017

Mittwoch in der Oktav der Himmelfahrt des Herr - Hl. Papst Gregor aus dem Brevier


Lesung 7-9
Markus 16, 14-20
Aus der Auslegung des hl. Papstes Gregor

Zuerst müssen wir fragen, warum von den Engeln, die bei der Geburt des Herrn erschienen, nicht berichtet wird, daß sie weiße Kleider getragen haben; hingegen lesen wir, daß bei der Himmelfahrt des Herrn Engel in weißen Kleidern erschienen. Denn so steht geschrieben: er ward vor ihren augen emporgehoben und eine Wolke entzog ihn ihren Blicken; und als sie ihm nachschaueten, wie er in den Himmel fuhr, siehe, da standen zwei Männer neben ihnen in weißem Gewande. Weiße Kleider sind ein Ausdruck der Freude und der Festtagsstimmung. Was war also der Grund, daß die Engel nicht bei der Geburt, sondern bei der Himmelfahrt des Herrn in weißen Gewändern erschienen? Sicher nur der, weil es ein großer Festtag für die Engel war, als der Gottmensch in den Himmel einzog. Denn bei der Geburt des Herrn erschien die Gottheit in der Erniedrigung; bei seiner Himmelfahrt aber wurde die menschliche Natur erhöht. Weiße Kleider passen doch besser für die Erhöhung, als für die Erniedrigung. Bei seiner Aufnahme in den Himmel also mußten die Engel in weißem Gewande erscheinen; denn er, der bei seiner Geburt als Gott in Niedrigkeit erschien, zeigte sich bei seiner Himmelfahrt als Mensch in Glanz und Herrlichkeit. Geliebteste Brüder! Am heutigen Festtag müssen wir auch daran denken, daß gerade heute der Schuldbrief unserer Verdammung vernichtet und das über uns ergangene Todesurteil aufgehoben wurde. Denn die Natur, zu der einst gesagt wurde: Du bist Staub und wirst wieder zum Staube zurückkehren, diese Natur durfte heute in den Himmel eingehen. Im Hinblick auf diese Erhöhung unserer Natur nennt der selige Job unseren Herrn bildlich einen Vogel. Weil er voraussah, daß das Judenvolk das Geheimnis seiner Himmelfahrt nicht verstehen werde, darum schilderte er seinen Unglauben mit den Worten: Es kennt den Weg des Vogels nicht. Mit Recht nennt er den Herrn einen Vogel, weil er seinen Leib zum Himmel emporgeschwungen hat; und wer nicht glaubt, daß er zum Himmel aufgefahren ist, der kennt den Weg des Vogels nicht. Von diesem Fest sagt der Psalmist: Hin über Himmelsweiten ausgebreitet leuchtet deine Pracht. Und an anderer Stelle: Gott ist aufgefahren unter Jubelklang, der Herr beim Schalle der Posaunen. Und nochmals heißt es: Er fährt in die Höhe und führt mit sich die Gefangenen und teilt Geschenke an die Menschen aus. Als er nämlich in den Himmel auffuhr, führte er mit sich die Gefangenen; denn er nahm unsere Sterblichkeit durch die Kraft seiner Unsterblichkeit hinweg. Geschenke hat er an die Menschen ausgeteilt, als er seinen Geist vom Himmel sandte, Dem einen das Wort der Weisheit, dem anderen das Wort der Wissenschaft, einem anderen die Gabe, Wunder zu wirken, einem anderen die Gabe zu heilen, einem anderen die Sprachengabe, einem anderen die auslegung der Reden.



(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

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