Samstag, 4. Februar 2017

Hl. Papst und Bekenner Gregor VII. - Vita aus dem Brevier

25. Mai
Lesung 4-6
Papst Gregor VII. hieß vorher Hildebrand; er wurde zu Soana in Etrurien geboren. Er zeichnete sich durch Gelehrsamkeit, Heiligkeit und durch jegliche Tugend mehr als alle anderen aus und verherrlichte so in wunderbarer Weise die ganze Kirche Gottes. Als Knabe, da er noch gar nicht lesen konnte, spielte er einst zu den Füßen eines Zimmermanns, der gerade Holz spaltete; da stellt er, wie berichtet wird, mit den abgefallenen Spänen zufällig die Worte Davids zusammen: Von Meer zu Meer erstreckt sich seine Herrschaft. Gott selbst leitete nämlich die Hand des Kindes und deutete damit an, daß er einst in der Welt ein gewaltiges Ansehen haben werde. Später kam er nach Rom und wurde unter dem Schutz des heiligen Petrus erzogen. Als er größer wurde und mit Schmerz sehen mußte, wie die Freiheit der Kirche durch die Laien gehemmt wurde und wie die Geistlichen so entartet waren, nahm er im Kloster Cluny, in dem damals unter der Regel des heiligen Benedikt eine strenge Ordenszucht blühte, das Mönchsgewand. Er diente Gott dem Allmächtigen mit solchem Eifer, daß er von den heiligmäßigen Vätern dieses Klosters zum Prior gewählt wurde. Aber die göttliche Vorsehung hatte noch Größeres mit ihm vor; darum mußte er zum Segen für viele bald von Cluny scheiden. Zunächst wurde er zum Abt des Klosters St. Paul vor den Mauern Roms erwählt, dann wurd er zum Kardinal der römischen Kirche ernannt. Unter den Päpsten Leo IX., Viktor II., Stephan IX., Nikolaus II. und Alkexander II. wurde er mit wichtigen Aufgaben und Gesandtschaften betraut; vom heiligen Petrus Damiani wurde er ein Mann mit ganz heiligen und reinen Absichten genannt. Papst Vikor II. sandte ihn als seinen persönlichen Legaten nach Frankreich. Dort zwang er durch ein Wunder den simonistischen Bischof von Lyon zum Geständnis seines Vergehens. Auf dem Konzil von Tours veranlaßte er Berengar, seiner Irrlehre nochmals abzuschwören; auch das Schisma des Cadolous unterdrückte er durch sein tatkräftiges Auftreten. Nach dem Tode Alexanders II. wurde er gegen seinen Willen zu seinem größten Leidwesen am 22. Mai 1073 einstimmig zum Papst gewählt. Wie eine Sonne leuchtete er nun im Hause Gottes. Mächtig in Tat und Wort bemühte er sich mit allem Eifer, die kirchliche Zucht wiederherzustellen, den Glauben auszubreiten, die Freiheit der Kirche zurückzugewinnen, die Irrlehren und die Sittenverderbnis auszurotten. Seit den Zeiten der Apostel soll es keinen Papst mehr gegeben haben, der für die Kirche Gottes größere Mühen und Bedrängnisse auf sich genommen, der für ihre Freiheit mutiger gekämpft hätte. Mehrere Länder reinigte er von dem Laster der Simonie. Gegen die rechtswidrigen Eingriffe des Kaisers Heinrich stand er wie ein mutiger Streiter auf, er blieb unerschrocken und stellte sich furchtlos als Schutzmauer für das Haus Israel hin. Als Heinrich immer tiefer sank, schloß er ihn aus der Gemeinschaft der Gläubigen aus, sprach ihm die Königswürde ab und löste seine Untertanen von ihrem Treueid.  Bei der Feier der heiligen Messe sahen fromme Männer, wie eine Taube vom Himmel herabflog, sich auf seine rechte Schulter niederließ und mit ihren ausgespannten Flügeln sein Haupt bedeckte. So wurde deutlich gezeigt, daß er bei der Regierung der Kirche vom Heiligen Geist, nicht von menschlicher Klugheit und Überlegung sich leiten ließ. Vom Heere des gottlosen Kaisers Heinrich wurde er in Rom eingeschlossen und schwer bedrängt; eine von den Feinden verursachte Feuersbrunnst löschte er durch das Zeichen des heiligen Kreuzes. Durch den Normannenherzog Robert Guiscard wurde er schließlich aus der Hand seiner Feinde gerettet. Er begab sich nach Monte Cassino. Von da ging er nach Salerno, um die Kirche des heiligen Apostels Matthäus zu weihen. Dort hielt er eines Tages eine Predigt. Gleich darauf wurde er vor Erschöpfung krank. Er wurßte, daß er sterben werde. Seine letzten Worte vor dem Tode waren: Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehaßt, deshalb sterbe ich in der Verbannung. Gar nicht zu schildern ist, was er alles mutig auf sich genommen hat. Zu Rom hielt er mehrere Synoden ab und erließ viele weise Verordnungen. Er war ein wahrhaft heiliger Mann, ein strenger Richter über alles Böse, ein entschiedener Verteidiger der Kirche. Zwölf Jahre lenkte er das Steuer der Kirche; dann ging er in den Himmel ein im Jahre des Heiles 1085. Im Leben und nach dem Tode wurde er durch viele Wunder verherrlicht. Sein heiliger Leib wurde in der Domkirche zu Salerno ehrenvoll beigesetzt.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

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