Freitag, 24. Februar 2017

Hl. Bischof, Bekenner und Kirchenlehrer Robert Bellarmin aus dem Brevier

13. Mai
Lesung 7-9
Matth. 5, 13-19

Auslegung des hl. Bischofs Robert Bellarmin
Wie in Gott, den wir als den Einen in der Dreifaltigkeit und als Dreifaltigen in der Einheit anbeten, drei Dinge besonders hervorragen, seine Allmacht, seine Weisheit und seine Güte, so hat Gott, liebe Zuhörer, auch seine bevorzugten Freunde und Söhne, die Väter und Lehrer unserer heiligen Kirche, überaus mächtig, gut und heilig gemacht; sie sollten ihm möglichst ähnlich sein, damit alle Völker auf sie schauen und sie bewundern lernen. Zunächst hat er sie mit Macht ausgerüstet, so daß sie in der Natur, an den Pflanzen, an den Tieren und selbst an den Menschen viele wunderbare, auserordentliche Dinge, abweichend vom gewöhnlichen Lauf der Welt, wirken konnten. Dann gab er ihnen Weisheit, so daß sie nicht nur die Gegenwart und die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft lange zuvor schauen und vorherverkünden konnten. Schließlich gab er ihren Herzen eine hochfeurige Liebe, so daß sie selbst mit großem Eifer an ihre aufgabe gingen und daß auch die, die sie zu bekehren hatten, nicht nur durch ihre Worte und ihre Wunderwerke, sondern auch durch ihr Beispiel und ihr heiliges Leben angezogen wurden. Von den Glaubensboten, sowohl denen, die uns zuerst den Glauben und das Evangelium gebracht haben, wie auch denen, die Gott später noch in jedem Jahrhundert zur Stärkung und Ausbreitung unsers Glaubens berufen hat, von ihnen weiß alle Welt, wie sie gewesen, wie fromm, wie gerecht, wie gläubig sie waren. Schaut zunächst auf die Apostel! Gibt es etwas Erhabeneres und Schöneres als das Leben der Apostel? Schaut sodann auf die großen Mönner, die wir Kirchenväter und Kirchenlehrer nennen, diese hellen Leuchten, die Gott am Firmament seiner Kirche aufgehen ließ, damit durch sie alle Finsternis des Irrtums verscheucht werde, auf Irinäus, Cyprian, Hilarius, Athanasius, Basilius, die beiden Gregor,, auf Ambrosius, Hieronymus, Augustinus, Chrysostomus und Cyrillus! Strahlt nicht aus den Schriften, die sie uns hinterlassen, ihr Leben und Wirken wie aus einem Spiegel entgegen? Der Mund spricht ja aus des Herzens Fülle. Welche Demut leuchtet, ich bitte euch, neben der höchsten Geistesbildung aus den Schriften der heiligen Väter! Welch Besonnenheit! Nichts Unschönes findet sich darin, nichts Anstäßiges, nichts Trügerisches, nichts Aufgeblasenes. Wie mannigfachig offenbart sich in ihren Schriften der Heilige Geist, der in ihrer Brust wohnte! Wer vermag Cyprian aufmerksam zu lesen, ohne zugleich von glühendem Verlangen nach dem Martyrium erfasst zu werden? Wer hat sich länger mit Augustinus beschäftigt und hat nicht tiefe Demut von ihm gelernt? Wer hat öfters Hieronimus zur Hand genommen und hat nicht seine Jungfräulichkeit und seine Abtötung liebgewonnen? Die Schriften der Heiligen atmen Frömmigkeit, Keuschheit, Reinheit und Liebe. Das sind die Bischöfe und Hirten, um ein Wort des hl. augustinus zu gebrauchen, die gelehrten, würdevollen, heiligen, mutigen Verteidiger der Wahrheit; sie haben den katholischen Glauben wie Milch eingesogen und wie feste Speise in sich aufgenommen; diese Milch, diese Speise teilen sie nun aus an groß und klein. Sie haben nach den Aposteln die Kirche gepflanzt, begossen, auferbaut, gehütet und genährt; durch sie ist die Kirche groß geworden.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

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