Freitag, 11. Oktober 2013

Von den acht Seligkeiten - Hl. Petrus Canisius


Kurzer Inbegriff der christlichen Lehre oder Katechismus des ehrwürdigen Lehrers Petrus Canisius der Gesellschaft Jesu Theologen - Aus dem lateinischen Originalwerke in das Deutsche übersetzt - Dritte sehr verbesserte und um sieben Druck Bogen vermehrte Auflage  (1826)


Fünftes Hauptstück.

Von der acht Seligkeiten


I Welches sind die Seligkeiten des evangelischen Gesetzes?


Diejenigen welche der heilige (a) Ambrosius des Herrn Seligkeiten und Seligpreisungen nennt, derer den dem heil Evangelisten (b) Matthäus acht aufgezählt werden, nämlich so:

 1. Selig sind die Armen im (c) Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich.
 2. Selig sind (d) die Sanftmüthigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
 3. Selig sind, (e) die trauern; denn sie werden getröstet werden.
 4. Selig sind, die (f) hungern und dürsten nach der Gerchtigkeit; denn sie werden gesättiget werden.
 5. Sellg stnd (g) die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
 6. Selig sind (h) die reines Herzens sind; denn sie werden Gott anschauen.
 7. Selig sind (i) die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
 8. Selig sind  (k) welche Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich.

 II. Warum soll man diese Lehre von den Seligkeiten halten?


 Weil sie der erste und größte Theil des evangelischen Gesetzes ist, die Christus, (a) unser Gesetzgeber, auf dem Berge mit seinem heiligen Munde übergeben hat, damit Alle betrachten mögen, was die christliche Gerechtigkeit noch neben dem Glauben in sich begreift und fodert; dann sollten sie wissen, daß die Krone der Gerechtigkeit, wie (b) Paulus sie nennt, oder die (c) volle und ewige Belohnung dem Gerechten nicht ohne Mühe (d) zu Theil werde. Denn auch der heilige Jakobus bekräftiget es, wenn er schreibt: (e) Selig der Mann, welcher die Versuchung aushält; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen.

 III. Was soll man bey dieser Lehre von den acht Seligkeiten vorzüglich merken?

 Erstens soll man merken, daß es unter denselben verschiedene Stufen gebe, wie man sowohl an der Zahl, als auch an der Ordnung es sieht. Zweitens werden auf jeder Stufe zwey Dinge zugleich vorgestellt, deren eines das Werk der Tugend selbst ist, oder das Verdienst, und die Seligkeit (wie sie es nennen) dieses Lebens, das andere aber die Belohnung des ewigen Leben, welche dem Verdienste gebührt, das man die Seligkeit des Vaterlandes nennen kann. Gleichwie das Erste den Gläubigen Mühe und Beschwerde kostet, eben so mischt das Zweyte, was auf jeder Stufe alsogleich hinzukommt, durch die Größe der vorgehaltenen Belohnung Trost bey; und mildert Mühe, Schweiß und Nöthen, die im christlichen Kampfe Alle ertragen müssen. Denn (a) es wird Niemand gekrönet, wenn er nicht recht gekämpft hat. (b) Jeder wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. (c) Was der Mensch säet, das wird er auch ärnten, wie der Völkerlehrer beständig versichert. Deßwegen ermuntert der Herr, ehevor er als (d) schrecklicher Richter dem Erdenkreise sich zeigt, uns Alle zur Erwartung seiner Ankunft in Worten, da er spricht: (e) Siehe, ich komme plötzlich, und mein Lohn ist bey mir, einem Jeden nach seinen Werken zu vergelten. (f) Wer überwindet, den werde ich ben mir auf meinem Thone sitzen lassen, was endlich die höchste, und vollkommene Seligkeit ist.

 Ganz (g) eitel aber ist die Meinung Glückseligkeit der Welt, die unterdessen sehr Viele täuscht und verderbt. Denn fast allgemein hält man die Reichen für glückselig, die da mächtig, an Herrlichkeit und Ansehen ausgezeichnet sind, die Glücksgüter im Ueberfluße haben, und den Vergnügungen und Wollüsten leben. Christus aber spricht über sie (h) das Wehe aus, und Jesaias ruft frey also auf: (i) Mein Volk, diejenigen, die dich selig preisen, täuschen dich, und zerstören den Weg, den du gehen sollst. (k) Selig das Volk dessen Gott der Herr ist, daß es seinen Schöpfer nämlich durch ein gutes und seliges Leben allzeit preise.

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