Dienstag, 1. Oktober 2013

Von dem englischen Gruße - Hl. Petrus Canisius

Kurzer Inbegriff der christlichen Lehre oder Katechismus des ehrwürdigen Lehrers Petrus Canisius der Gesellschaft Jesu Theologen - Aus dem lateinischen Originalwerke in das Deutsche übersetzt - Dritte sehr verbesserte und um sieben Druck Bogen vermehrte Auflage  (1826)


Zweites Hauptstück.

 

XV. Was pflegt man mit dem englischen Gruße zu sagen?

 Das was der heiligsten Jungfrau und Mutter Gottes in diesen Worten vorgetragen wird: Gegrüßt seyest du Maria, du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeyt unter den Weibern, und gebenedeyt ist die Frucht deines Leibes Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitt für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. Amen






XVI. Woher kommt diese Weise, die Gottesgebärerin und Jungfrau zu grüßen?

 Allererst kommt dieser Gruß von den Worten und Beyspielen des Evangeliums, da der große Erzengel Gabriel (a) und die Mutter des Vorläufers des Herrn,, die heilige Elisabeth, von dem göttlichen Geiste angehaucht, uns so lehren.
 Alsdann aber bekräftigen uns diese Grußweise auch die einhellige Meinung, und der beständige Gebrauch der Kirche, welchen die heiligen Väter und unsere Vorältern bis auf diesen Tag hoch und heilig gehalten und auch von uns also gehalten wissen wollten. 

XVII. Was nützt es diesen Gruß zu gebrauchen?



Durch diese vortrefflichen Worte werden wir allererst der größten Wohlthat erinnert, welche der ewige Vater durch Maria die Gottesgeliärerin in Christus anfangen und dem menschlichen Geschlechte durch die Erlösung gnädig erweisen wollte.
 Alsdann ist dieser Gruß der vortrefflichste Preis der heiligsten und bewunderungswürdigen Jungfrau, die Gott verordnet hat, uns eine Erfinderin der Gnade und eine Gebärerin des Lebens zu seyn.
 Daher soll man sich nicht wundern, wenn wir nach den frommen Bitten, die wir im Gebethe des Herrn Gott empfohlen haben, in diesem Gruße, der empfangenen Gnade durch Christus eingedenk, nicht nur die Mutter Christi, sondern auch Gott den Vater in der Jungfrau Gottesgebärerin loben, und mit den Engeln frohlocken, und dieselbe ehrerbiethig und oft grüßen.

 XVIII. Welches ist der Sinn diese Grußes?

 In den ersten Worten begrüßen wir Maria, freudig und in diesem freudigen Gruße preisen wir sie, die uns eine zweyte und zwar glückliche Eva geworden ist. Denn welches Weh des Fluches jene erste Eva der Welt gebracht hat, das hat diese durch ihre heilbringende Geburt hinweggenommen, und diesen Fluch der Kinder Adams in ewigen Segen verwandelt.
 Sie, würdig, voll der Gnade gepriesen zu werden, weil voll von Gott, voll von Tugenden; hat einzig und allein (denn wir wollen die Worte des heiligen Ambrosius gebrauchen) die Gnade, die keine andere verdient hatte, erlangt, daß sie mit dem Urheber der Gnade erfüllet wurde. Und wie hätte in ihrer Seele oder in ihrem Leibe für Sünden ein Platz seyn können, da sie zum Tempel des Heiligen der Heiligen gemacht war?
 Es wird weiter beigefügt: der Herr ist mit dir; denn auch die Kraft des Vaters hat sie besonders (a) umschattet, und der heilige Geist kam reichlichst über sie herab, und das Wort (b) ist Fleisch geworden und aus ihr, wie der Bräutigam aus seinem Brautgemache, wunderbar hervorgegangen.
 Es folgt: gebenedeyt unter denWeibern, weil sie in der (c) Jungfrauschaft eine Braut, und in der Fruchtbarkeit zugleich eine Mutter ist, die man deswegen mit höchstem Rechte die Selige (d) nennt, und alle Geschlechter immerhin so nennen werden. Sie ist das Weib, ganz (e) schön und unbefleckt, eine Jungfrau vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt, allzeit (f) unversehrt von aller Befleckung der Sünde (g) frey, über alle Himmel erhöhet, die nicht weniger zur Herstellung des Lebens genützt, als die unglückliche Eva den Menschen geschadet hat durch den Tod, den sie über sie gebracht.
 Und gebenedeyt ist die Frucht deines Leibes Jesus, als welcher aus der Wurzel Maria (h) wie eine Blume aufgieng, und der als eine Frucht der Erde sich erzeigte, und die Frucht ewiger Seligkeit seinen Gliedern eben so, wie der Weinstock den Reben (i) Saft und Kraft mittheilt. Wahrhaft selig ist der Leib (k), der dich getragen und der Welt den Erlöser gegeben hat; wahrhaft selig sind die Brüste, welche voll des Himmels, den Sohn Gottes gesäuget haben.
 Endlich wird auch von der Kirche beygefügt; (l) Heilige Maria Mutter Gottes, bitt für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. Denn wir, die den Fußstapfen der (m) heiligen Väter folgen, grüßen nicht nur jene lobwürdige wunderbarliche Jungfrau, die wie die Lilie unter den Dornen ist, sondern wir glauben auch und bekennen, daß sie mit so überflüssiger Kraft Gottes begabt ist, daß sie den armen Menschen Nutzen, Gunst, Erhörung und Beystand gewähren könne, besonders wenn diese sich und ihre Gebethe ihr empfehlen, und die göttliche Gnade durch die Fürbitte der Mutter flehentlich suchen.

 XIX. Zeugnisse der heiligen Väter von Maria der Jungfrau.

 Irenäus (Lib, 5, cont. haereses. c. 19. n.1.): Wie Eva durch die Rede eines (bösen) Engels ist verführet worden, daß sie sich durch Ungehorsam von Gott entfernte, so ist Maria durch einen (guten) Engel beredet worden, daß sie Gott gehorsamte; damit die Jungfrau Maria eine Fürsprecherin würde der Jungfrau Eva. Und wie das menschliche Geschlecht dem Tode unterworfen wurde durch eine Jungfrau, so wird es erlöset durch eine Jungfrau, sohin das Gleichgewicht wieder hergestellt, (gut gemacht) der Ungehorsam einer Jungfrau. durch den Gehorsam einer Jungfrau.

 Chrysostomus (In Liturgia.): Wie es in der That würdig und recht ist, daß wir dich hoch erheben, Gottesgebärerin, allzeit seligste und ganz unbefleckte Mutter unsers Gottes, die du geehrter, als alle Cherubim und ohne Vergleich ruhmwürdiger, als alle Seraphim bist, da du ohne (jungfräuliche) Verletzung Gott geboren hast, so preisen wir dich auch mit allem Rechte Gottesgebärerin (mit den Worten): Sey gegrüßt Maria! du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir, du bist gebeneyent unter den Weibern und gebenedeyt ist die Frucht deines Leibes, weil du den Retter unserer Seelen geboren hast.

 Ambrosius (Lib.2. virginibus): Die jungfräuliche Reinigkeit und das ganze Leben Maria soll uns immer vor Augen seyn, wie in einem Bilde dargestellt, aus welchem, als aus einem Spiegel, die Anmuth der Keuschheit strahlet, und Schönheit der Tugend. Was ist vortrefflicher, als die Mutter Gottes? Was ist glänzender als sie, die der Glanz erwählt hat? Was keuscher als sie, die als unversehrte geboren hat? So vortrefflich war Maria, das Leben dieser Einzigen eine Schule für alle ist.

 Augustinus (Serm. 2, de annun. dom.): Heilige Maria, komme den Elenden zu Hilfe, unterstütze die Schwachen, tröste die Weinenden, bitte für das Volk, für die Geistlichkeit, vertritt das Frauengeschlecht. Alle sollen deine Hilfe erfahren, die immer dein Gedächtniß feyern.

 Fulgentius (Serm. de laudibus Mariae): Durch Maria ist der Himmel geöffnet; denn durch sie hat Gott das wahre Licht über die Welten ausgegossen. Maria ist eine Leiter des Himmels geworden, weil Gott durch sie auf die Erde herabgestiegen ist, damit die Menschen verdienten, durch sie den Himmel aufzusteigen. Maria ist die Wiederherstellung der Frauen geworden, durch sie, wie es erwiesen ist, von dem Verderben des ersten Fluches errettet sind.

 

Bernhard: Diese königliche Jungfrau ist der Weg, auf welchen der Heiland zu uns gekommen ist, da er aus ihrem Leibe hervorgieng, wie der Bräutigam aus seinem Brautgemache. Mögen wir durch dich Zugang haben zum Sohne, o gebenedeyte Erfinderin der Gnade, Gebärerin des Lebens, Mutter des Heiles, daß durch dich uns aufnehme der, welcher durch dich uns ist gegeben worden.

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