Donnerstag, 11. Juli 2013

Was, wenn irgend eine neue Seuche die ganze Kirche zu beflecken sucht? (hl. Vinzenz v. Lerin)


(aus dem Buch MAHNSCHRIFT gegen die Irrlehrer, Commonitorium adversus Haereticos des
hl. Vinzenz von Lerin)



4. Weitere Entwicklung der aufgestellten Glaubensregel.

Was wird also ein katholischer Christ dann tun, wenn sich irgend ein Teilchen der Kirche von der Gemeinschaft des allgemeinen Glaubens lossagt? Was anderes, als dass er dem verpesteten und angefaulten Gliede die Gesundheit des ganzen Körpers vorzieht? Was, wenn irgend eine neue Seuche nicht bloß mehr ein Teilchen, sondern gleicherweise die ganze Kirche zu beflecken sucht? Dann wird er ebenso darauf Bedacht nehmen, an das Altertum sich anzuschließen, welches ja nicht mehr durch irgend eine betrügerische Neuerung verführt werden kann. Was, wenn innerhalb des Altertums selber ein Irrtum zweier oder dreier Männer, oder selbst einer Stadt oder auch irgend einer Provinz angetroffen würde? Dann wird er sich’s aus allen Kräften angelegen sein lassen, der Vermessenheit der Unwissenheit Weniger die Beschlüsse eines von der Gesamtheit vor alters abgehaltenen allgemeinen Conciliums vorzuziehen. Was, wenn etwas solches auftaucht, wo sich nichts derartiges finden läßt? Dann wird er sich Mühe geben, die Aussprüche der Alten unter sich zu vergleichen und zu Rate zu ziehen und zu befragen, jedoch nur jener, welche, obgleich zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten doch in der Gemeinschaft und dem Glauben der katholischen Kirche verharrend als glaubwürdige Lehrer sich bewährt haben; und was er sieht, dass nicht nur einer oder zwei, sondern alle
gleicherweise in einem und demselben Sinne klar, oftmals, andauernd festgehalten, geschrieben, gelehrt haben, das soll er wissen, muß auch er selber ohne irgend einen Zweifel glauben. Damit aber das Gesagte noch deutlicher werde, müssen wir es im einzelnen durch Beispiele erläutern und etwas reichhaltiger ausführen, damit nicht bei dem Bestreben nach übermäßiger Kürze aller Eindruck der Sache durch die Eilfertigkeit der Rede hinweggenommen werde.


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7. Lob derer, welche gegenüber der arianischen Ketzerei am
alten Glauben festhielten.


Aber vielleicht erdichten wir dies nur aus Haß gegen die Neuerung und aus Liebe zum Altertum. Wer dieses meint, der glaube wenigstens dem seligen Ambrosius, welcher im 2. Buche an den Kaiser Gratian die Gräulichkeit der Zeit beklagend sagt: „Aber schon hinreichend, allmächtiger Gott, haben wir mit unserem Untergang und unserem Blute den Mord der Bekenner, die Verbannung der Priester und den Frevel so großer Gottlosigkeit gesühnt. Hinreichend ist es klar geworden, dass diejenigen, welche den Glauben verletzt haben, nicht sicher sein können." Ebenso heißt es im 3. Buche desselben Werkes: „Beobachten wir also die Vorschriften der Vorfahren und verletzen wir nicht die ererbten Siegel in roh vermessenem Unterfangen. Jenes versiegelte prophetische Buch (Offenb. Kap. 5,1) wagten nicht die Ältesten, nicht die Mächte, nicht die Engel, nicht die Erzengel zu öffnen; Christus allein wurde das Vorrecht es aufzuschlagen vorbehalten. Wer von uns möchte wagen, das priesterliche Buch zu entsiegeln, welches gesiegelt ist von den Bekennern und geweiht durch das Martyrium vieler? Die sich drängen ließen es zu entsiegeln, haben es doch nachher nach Verdammung des Truges besiegelt; die es nicht zu verletzen wagten, sind Bekenner und Martyrer geworden. Wie können wir den Glauben derer verleugnen, deren Sieg wir preisen?" Gewiß wir preisen sie, sage ich, o verehrungswürdiger Ambrosius, gewiß wir preisen sie und loben und bewundern sie. Denn wer ist jener so Unsinnige, welcher denjenigen, wenn er sie auch nicht zu erreichen vermag, nicht nachzufolgen wünschte, welche von der Verteidigung des Glaubens der Vorfahren keine Gewalt abbrachte, nicht Drohungen, nicht Schmeicheleien, nicht (die Liebe zum) Leben, nicht (die Furcht vor dem) Tod, nicht der Palast, nicht die Trabanten, nicht der Kaiser, nicht die kaiserliche Macht, nicht Menschen, nicht Dämonen, ihnen, sage ich,welche für ihr Festhalten an der Religion des Altertums der Herr so großer Gnade für würdig hielt, dass er durch sie die zu Grunde gerichteten Kirchen wieder herstellte, die geistig erstorbenen Völker neu belebte, die herabgefallenen Kronen der Priester wieder aufsetzte, jene ruchlosen Schriften, oder vielmehr Schmierereien der neuen Gottlosigkeit durch einen vom Himmel den Bischöfen eingegossenen Quell gläubiger Tränen auslöschte, endlich die Welt, die fast schon in ihrer Gesamtheit durch den wütenden Sturm der plötzlich ausgebrochenen Häresie darniedergeworfen war, zum alten Glauben von dem neuen Glaubensbruche, zur alten Gesundheit von dem Wahnsinn der Neuerung, zum alten Lichte von der Finsternis der Neuerung zurückführte.

ganzes Buch hier  und auf lateisch hier

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