Samstag, 5. Oktober 2013

Von den Gebothen der Kirche - Hl. Petrus Canisius

Kurzer Inbegriff der christlichen Lehre oder Katechismus des ehrwürdigen Lehrers Petrus Canisius der Gesellschaft Jesu Theologen - Aus dem lateinischen Originalwerke in das Deutsche übersetzt - Dritte sehr verbesserte und um sieben Druck Bogen vermehrte Auflage  (1826)


Drittes Hauptstück.

 Von den Gebothen der Kirche


I. Giebt es außer den zehn Gebothen noch andere Gebothe die ein Christ halten muß?

 Ja es giebt solche, weil (a) unser Gesetzgeber und (b) Meister Christus nicht nur die zehn Gebothe (c) gelehrt, sondern auch im Allgemeinen befohlen hat in allen apostolischen und kirchlichen Gebothen Gehorsam zu leisten .
Hieher gehören jene evangelischen Sprüche: (d) Wie mich der Vater gesandt hat, also sende ich euch. - (e) Wer euch höret der höret mich; und wer euch verachtet der verachtet mich. -  (f) Wenn er diese nicht hört, so sage es der Kirche; wenn er aber die Kirche nicht hört, so sen er dir wie ein Heide und öffentlicher Sünder. In diesen Stellen überträgt Christus der Kirche das höchste und letzte Urtheil, und heißt es ihr übertragen, das ist, (g) den Vorstehern und Regenten der Kirche, wie es Chrysostomus (h) auslegt, und die alsbald darauf folgenden Worte des Evangeliums es erklären und davon überweisen.

 Nicht umsonst ist von dem Apostel Paulus geschrieben: (l) Er zog durch Syrien und Cilicien und stärkte die Kirchen, und befahl die Gebothe der Apostel und Aeltesten zu halten.

 II. Welche sind die Gebothe der Apostel und Aeltesten die Paulus zu halten befohlen?

 Wer Gott erkennt, der hört uns, wer nicht aus Gott ist, der hört uns nicht: darin erkennen wir den Geist der Wahrheit, und den Geist des Irrthums.
St Pauli Schüler, Dionysius der Areopagite, bezeugt, (a) daß es dieser Gebothe zwey Gattungen gebe, nämlich theils geschriebene, theils nicht geschriebene. Zu beyden gehört, was Johannes, der Evangelist schreibt: (b) 

 Die erste Gattung, die in Schrift verfaßt ist, und in geschriebenen Gesetzen besteht, ist klar genug denn sie steht in den Büchern vor Jedermanns Augen.

 Die zweyte Gattung aber besteht in Gebothen und Satzungen welche von den Vätern mit dem einzigen Worte: Traditionen (Uebergabe, Ueberlieferungen) begriffen und (c) benannt zu werden pflegen. Denn diese sind nicht, wie die obbemeldten, in Schriften verfaßt, sondern mit lebendiger Stimme übergeben und von unsern Vorältern wie von Hand zu Hand an uns überlassen und der Kirche empfohlen, in steter Uebung erhalten auf uns gekommen.


 III. Ist es denn nothwendig diese beyden Gattungen der Gebothe zu halten?

 Stehet (nun lieben Brüder) und haltet die Ueberlieferungen, die ihr gelernt habet, es sen durch unsere Rede, oder durch unsern Brief. Daher lobt er in dieser Sache die Korinthier, daß sie die Gebothe der Apostel, (b) die sie mit lebendiger Stimme übergeben empfangen haben, so fleissig bewahrten. Hierauf ermahnt er die Thessalonicher, daß (c) sie sich einem jeden Bruder entziehen sollen, der da unordentlich und nicht nach der Uebergabe, die sie von den Aposteln empfangen haben, wandelt.
Ja wohl, wemn wir anders dem Lehrer Paulus folgen, der da so befiehlt: (a)

 Und das ist es eben, was die heilige Versammlung von Nicäa, (d) der göttlichen Schrift gemäß, mit so klaren Worten ausdruckt: Es geziemt uns, die kirchlichen Ueberlieferungen, sie jenen entweder durch Schrift, oder Gewohnheit in der Kirche bewahrt worden, einmüthig und unverbrüchlich zu halten. - Und bey Cyprian lesen wir (e), daß es eben so gültig und gewiß sey, was die Apostel auf Einspruch des heiligen Geistes übergeben, als was Christus selbst gelehrt hat. Denn (f) gleichwie der heilige Geist und Christus die gleiche Gottheit haben, eben so haben beyde in ihren Satzungen gleiches Ansehen und gleiche Gewalt.

 IV. Wie mögen wir erkennen, welche die apostolischen und bewährten Ueberlieferungen in der Kirche sind?

 Darüber schreibt uns St Augustin (a) eine merkwürdige Regel vor, indem er spricht: Wenn dasjenige was wir nicht aus der Schrift, sondern aus der Ueberlieferung beobachten, auf dem ganzen Erdkreise beobachtet wird, so erhellet hieraus, daß es als etwas entweder von den Aposteln selbst, oder von allgemeinen Kirchenversammlungen (deren Ansehen in der Kirche sehr heilsam ist) Empfohlenes oder Eingesetztes gehalten werde.
 Der nämliche Augustin spricht ebenso wider die Donatisten, ja (b) wider alle Ketzer, und ermahnt mit Nachdruck in diesen Worten: Was die ganze Kirche hält, und wenn es auch nicht von den Konzilien eingesetzt, aber immer beobachtet worden ist, davon glaubt man ganz recht, daß es nicht anders, als aus Autorität der Apostel eingesetzt worden sey.
 Mit ihm stimmt auch Leo (c) der Große überein, da er sagt: Es ist nicht zu zweifeln, daß alles was in der Kirche immer als fromme Uebung gepflogen worden ist, von der Ueberliefernng der Apostel und von der Lehre des heiligen Geistes herkomme.

V. Welches sind die apostolischen Ueberlieferungen die die Christen beobachten sollen?


Es giebt hinreichend viele Beyspiele bey den Vätern und denjenigen, welche schon vor tausend Jahren öffentlichen Glauben verdient haben. So lehren nämlich Origenes (a) und St. Augustin (b) nach der Uebergabe, daß man die Kinder taufen müsse.

 Dionysius (c) und Tertullian (d) zeigen an, daß am Altare Bitten und Opfer für die Verstorbenen geschehen müssen.

 Daher beweisen Hieronymus (e) und Epiphanius (f), daß die eingesetzten Fasten der Kirche besonders die vierzigtägige zu halten sey.

 So bestätigen auch Ambrosius (g) und Chrysostomus (h) die Würde jener Dinge, welche im heiligen Amte der Messe feyerlich vollbracht werden.

 Auf gleiche Weise bezeugen auch außer Damascenus (i) die Väter, welche die zweyte (k) Versammlung von Nicäa anführt, daß es sich gezieme die Bilder Christi und der Heiligen zu ehren.

 Endlich um die übrigen Väter zu übergehen, will jener große Basilius (l) wegen der Ueberlieferung den heiligen Chrisam und andere feyerliche Gebräuche gehalten wissen, die bey den heiligsten Sakramenten angewendet werden.

 Und Basilius setzt bey: (m) Wenn wir ein mal daran gehen, die Satzungen und Gebräuche, die nicht geschrieben sind, als wäre an denselben nicht viel gelegen, zu verwerfen, so werden wir heimlich und allmählig die gewissen Sprüche des Evangeliums selbst um stossen, oder vielmehr die Predigt desselben zu
einem eitel Namen machen. Ich aber, sagt er, (n) halte dafür, daß es apostolisch sey auch jenen Überlieferungen anzuhangen, welche nicht geschrieben sind.

 VI. Wie sehr irrt man heut zu Tage in Betreff der apostolischen und kirchlichen Uederlieferungen?

 Sehr viel, da die meisten sie verachten, andere sie unterlassen, oder gewiß nicht mehr davon halten, als von den Verordnungen (a) weltlicher Obrigkeiten, und fälschlich vorgeben, daß sie nur menschliche Einrichtungen seyen, die zu halten oder zu unterlassen jedem frey stehen, und von einem geringen oder gar keinem Nutzen sind. Sie nennen sie Adiaphora (d.i. gleichgültige Dinge).

 Andere giebt es aber, welche wollen, daß beynahe alle Überlieferungen gleichen Gewichtes seyen, und welche die Schriftstellen so schändlich vermischen, als ob man gleichviel hallten sollte von den pharisäischen (b) und apostotischen Überlieferungen, von den jüdischen (c) und kirchlichen (d), von den privaten oder einzelen (e) und von denjenigen, welche mit Einstimmung der ganzen Kirche angenommen und durch den allgemeinen Gebrauch der Frommen, so viele Jahrhunderte bewährt, und wie von Hand zu Hand auf uns gekommen, fast überall angetroffen werden.

 VII. Was muß man aber von denjenigen halten, welche die Ueberlieferungen der Kirche verwerfen und für nichts achten?

 Diese straft und verdammt das Wort Gottes, weil es bestimmt erklärt, daß man die Ueberlieferungen halten solle, (a) indem es die Kirche (b) hören und die Gebothe (c) der Apostel und Aeltesten bewahren heißt. Das Wort Gottes ist es, welches uns sowohl den weltlichen (d) als auch geistlichen (e) Obrigkeiten unterwirft, den gelinden, (f) wie auch den wunderlichen, um des Gewissens (g) willen, und ernstlich verlangt, daß man ihren Gesetzen die tiefste Ehrerbiethung (h) und den strengsten Gehorsam erzeige, Gottes Wort sagt: (i) Seyd gehorsam euren Vorgesetzten und seyd ihnen unterthan - (k) Alles was sie euch sagen das haltet und thut; aber nach ihren Werken sollet ihr nicht thun.
Deshalb verachten (l) sie nicht so fast die Menschen, als den höchsten Gott selbst, den sie doch wahrlich in  (m) den Aposteln und ihren Nachfolgern hören und verehren sollen. Sie widerstehen daher geradezu dem Worte Gottes, indem sie der Gewalt und Anordnung Gottes widerstehen, und bringen sich daher in die Verdammniß, wenn wir dem heiligen Paulus (o) glauben.

 Diese Ordnung ist nun einmal göttlich, und kann durch menschliche Autorität nicht abgeschafft werden, nämlich, daß die Kirche durch gewisse Gesetze, theils geschriebene theils nicht geschriebene, die uns durch die apostolische (p) Ueberlieferung gegeben sind, regiert, die Glaubenslehren bewahrt, die heilige Religion vertheidiget, die Eintracht genährt und die Zucht erhalten werde.

VIII. Was haben die Väter von dieser Sache gehalten?

 Origenes, der ein berühmter und sehr alter Schriftsteller ist, hat davon in diesen Worten geschrieben: (a) Ein jeder ist von uns für einen Ketzer zu halten, der da bekennt, daß er an Christus glaube, und von der Wahrheit christlichen Glaubens etwas anderes halte, als es die Bestimmung der kirchlichen Ueberlieferung hat. Der nämliche spricht an einem anderen Orte: (b) Das allein ist für die rechte Wahrheit zu halten, was in keinem Stücke der kirchlichen Ueberlieferung entgegen ist. Und der heil. Hieronymus sagt: (c) Ich halte für gut, dich kurz zu ermahnen, daß man die Ueberlieferungen der Kirche, besonders wenn sie nicht wider den Glauben streiten, so halten solle, wie sie von unser Vorfahren übergeben worden sind.

 Augustin aber lehrt so: (d) Wenn die Autorität der göttlichen Schrift etwas vorschreibt, so ist kein Zweifel, daß man es so thun müsse, wie wir es lesen; eben das auch sollte geschehen, wenn die Kirche etwas durch den ganzen Erdkreis in beständiger Uebung hat. Darüber noch streiten, ob man es thun solle, ist stolze, hochmüthige Thorheit." Und wieder spricht der nämliche heilige Vater: (e) In denjenigen Dingen, welchen die göttliche Schrift nichts Gewisses festgesetzt, sollen der Gebrauch des Volkes Gottes oder die Satzungen der Vorfahren für ein Gesetz gehalten werden. Und (f) wie die Uebertreter der göttlichen Gesetze, so sollen auch die Verächter der kirchlichen Gewohnheiten gestraft werden.

 Tertullian endlich, der gelehrteste und älteste Schriftsteller der Kirche handelt in einem ganzen Buche wider diejenigen, welche nichts zulassen was nicht ausdrücklich in den heiligen Schriften steht, und er behauptet mit Nachdruck, daß einige Satzungen und Gebräuche der Kirche nicht geschrieben seyen, die nur von den Ketzern verworfen werden können. Wenn aber Jemand Lust zu zanken hat, ( um uns der Worte St. Pauli zu bedienen) der wisse, daß weder wir einen solchen Gebrauch haben, noch auch die Kirche Gottes.

IX. Nun aber, was ist die Kirche?

 Die Kirche ist die Versammlung aller Menschen, welche Christi Glauben und Lehre bekennen, und die Christus, der Fürst der Hirten, sowohl dem Apostel Petrus, als auch allen seinen Nachfolgern (a) zu weiden und zu regieren übergeben hat.

 Alle Ketzer und Schismatiker welche nämlich Spaltungen anrichten verdienen daher nicht den Namen der Kirche, sondern sie maßen (b) sich denselben nur fälschlich an. Obschon sie den Glauben und die Lehre Christi zu bekennen scheinen, so verschmähen sie doch, Schafe zu seyn des obersten Hirten und Bischofes, welchen Christus statt Seiner dem Schafstalle der Kirche vorgesetzt, und durch eine ununterbrochene (c) Folgenreihe der römischen Kirche bis diesen Tag erhalten hat.

 Diejenigen welche diesen Stuhl Petri, diesen Vorzug der Kirche läugnen und bestreiten, verstehen erstlich nicht die großen Verheissungen (d), welche Christus dem Petrus gemacht hat, nicht die geheimnißvollen Schlüssel des Himmelreiches, die der Herr ihm einzig übergeben hat, und vieles andere nicht, (e) was von Petrus, dem Fürsten, dem Munde und Haupte der Apostel, geschrieben steht. Dann stören sie offenbar den Frieden und die bestimmte Ordnung der Kirche, welche ohne einen höchsten Vorsteher und ohne desselben überwiegende Autorität, weder recht regiert, noch auch in der Einheit und in einer wider die Pforten der Hölle nothwendigen Festigkeit lange erhalte werden könnte. Endlich sprechen sie auf unverschämte Weise den Vätern Hohn und ihre Versammlungen und Schriften, welche über dieses vorzügliche Merkmal (f) der Kirche übereinstimmen, ja sogar der Einstimmigkeit der ganzen christlichen Welt.


 Diese Kirche und ihre Würde hat der heilige Hieronymus erkannt, dessen Worte so lauten: (g) Wer mit dem Stuhle Petri vereiniget ist, der ist der Meinige. Erkannt hat sie auch Optatus, der Afrikaner, (h) welcher bezeugt, daß unter den wahren Merkmalen der Kirche der Stuhl Petri das erste sey. Erkannt hat sie Augustin (i) welcher deutlich schreibt, daß in der römischen Kirche allzeit der Vorrang des apostolischen Stuhles gewesen sey. Erkannt hat sie Cyprian (k), welcher die Ursache aller entstehen Ketzereyen und Spaltungen darein gesetzt, daß man dem Einen und höchsten Priester und Richter, dem Statthalter Christi, nicht gehorcht. Erkannt hat sie Ambrosius (l), wenn er sagte, daß er der römischen Kirche in Allem folgen verlange.


 Der aber älter ist, als alle diese, und den der Apostel nahe lebte, und ein wahrhaft apostolischer Mann war, Irenäus, (m) giebt römischen Kirche diesen Lobspruch: Es ist nothwendig, daß die ganze Kirche, das heißt alle Gläubigen allenthalben mit dieser Kirche übereinstimmen wegen ihres mächtigen Vorrangs, in welcher allzeit die von den Apostel kommende Ueberlieferung sich bey den Gläubigen, sie mögen seyn, wo sie wollen, erhalten hat.


X. Welches ist nun die Würde und das Ansehen der Kirche?


Dieses nämlich, daß Gott seine Kirche mit vielen und wahrlich außerordentlichen Gaben, Verheissungen und Wohlthaten verherrlichet. Nichts ist ihm auf Erden theurer, als sie.
 Diese schmückt, erhält, vertheidiget und rettet er allzeit.
 Diese hat er auch zu seinem Hause (a) gemacht, in welchem alle Kinder Gottes genährt, unterwiesen und geübt werde sollen.
 Er hat gewollt, daß sie eine Säule (b) sey und Grundveste der Wahrheit, damit wir an der Lehre derjenigen nicht zweifeln, welche als eine Lehrerin, Bewahren und Auslegerin der Wahrheit Glauben und unverletzliche Autorität hat. Ueberdieß hat er beschlossen, daß diese Kirche auf den (c) starken Felsen gebaut sey, da mit wir gewiß seyen, daß sie unbeweglich und unumstößlich fest stehe, und selbst von den Pforten der Hölle (d), das ist von den heftigsten Angriffen der Feinde, nicht überwunden werden könne.

 Endlich will er, daß sie jene (e) heiligste Stadt sey, auf einen Berg erbaut, die alle sehen, und zu der man leicht kommen könne, damit nicht Jemand sie verlasse, die giftigen Gruben und Winkel der Ketzer aufsuche, und durch jene falschen Stimmen: (f) Siehe hier ist Christus, siehe dort ist er! betäubt von ihr weiche und sich trenne.
 Diese Kirche, wie die göttliche Schrift sie uns darstellt und preist, ist Christi (g) Freundin, Schwester und einzige Braut, welche zu erlösen (h), zu reinigen, zu heiligen, zu sammeln (i) und sich mit ihr ganz zu vereinigen, der Sohn Gottes alles gethan und gelitten hat, so, daß ert in seiner Liebe kein Bedenken trug, auch seinen hochheiligen Leib und Blut für sie hinzugeben.
 Für diese Kirche hat er gebethet (k) und auch erlangt, daß ihr Glaube, ihre Einheit und Stärke nimmermehr abnehme.
 Dieser Kirche hat er (l) verheissen und treu (m) gesendet und zurückgelassen einen Lehrer, Vorsteher und Regenten, den heiligen Geist, von dem er sagt: (n) Er wird euch alles lehren und euch alles eingeben, was ich euch gesagt habe (o) Er wird den euch bleiben ewiglich. (p) Er wird euch alle Wahrheit lehren, was nämlich zu wissen und zu glauben nothwendig ist.

 XII. Durch welche endlich lehrt uns der heilige Geist in der Kirche die Wahrheit?


Ganz gewiß durch diejenigen, welche wie, wie der Apostel bezeugt von dem heiligen Geiste gesetzt sind, daß sie die Kirche regieren, und welche er Bischöfe nennt, Vorsteher, Hirten und Lehrer. Und diese waren nach den (a) Aposteln immer, und sie sind auch noch die vornehmsten Diener Gottes und der Kirche, und die Vorzuglichen Ausspender  (b)der Geheimnisse Gottes.
Ihre Autorität aber erkennt man in verschiedenen Dingen, und hauptsächlich in den Versammlungen (c), wo sie nicht nur über Glauben und die Religion manches beschließen, sondern auch kraft ihres Rechtes und der apostolischen Gewalt bezeugen können und sagen: Es hat dem heiligen Geiste und uns gefallen, wie solches aus den Verhandlungen (d) des ersten Konziliums erhellet, das in Jerusalem gefeyert worden ist. Einst war es wahrlich Sünde und Verbrechen, das mit dem Tode bestraft wurde (e), wenn Jemand dem Ausspruche des Hohenpriesters der den Stuhl (f) Mosis regierte nicht gehorcht hätte. Nun aber hat die Kirche jetzt keine geringere Gewalt, zu regieren, zu urtheilen und zu beschließen, als damals die Synagoge hatte. Hatten die Juden schon immerhin das Gesetz, zu gehorchen, so liegt es auch den Christen ob, daß die (h) Aussprüche jener Priester, welche zur Würde der Vorsteher erhoben sind, über Sachen der Religion gerne angenommen und treu gehalten werden.
 Deßwegen begehen jene ein großes Verbrechen, welche den geistlichen Obrigkeiten das Ansehen und den Gehorsam nicht beweisen, so, daß sie es sogar wagen, sie öffentlich anzugreifen und zu bekämpfen, als nämlich die heiligen Satzungen der Päbste, den welchen allzeit die höchste Gewalt, über das Heilige zu bestimmen, (k) gewesen ist; dann auch die ehrwürdigen Verordnungen der allgemeinen Versammlungen deren Gewalt in der Kirche so überaus heilsam ist wie St Augustin spricht (l); endlich auch die bestimmten und gewissen Aussprüche der Väter über den Glauben, derer gemeinsame Sinn und Einmütigkeit (m) in einer und der nämlichen Sache das kräftigste Zeugniß der christlichen Wahrheit ist. Vortrefflich ist jenes Wort, das die frommen Kaiser gesprochen: (n) Unrecht thut derjenige dem Ausspruche einer Versammlung, welcher das, was einmal erklärt und rechtmäßig beschlossen worden ist, umstürzen und öffentlich bestreiten will.

 XII. Wozu dient diese göttliche Ordnung, daß die Hirten und Lehrer in der Kirche erhalten werden?

 Diese göttliche Ordnung ist uns sehr nützlich und heilsam, vermöge welcher die geistliche Gewalt und Hierarchie alle weltliche Macht und Obrigkeiten weit (a) übertrifft. Denn diese geistliche Macht ist es, wodurch das Christenvolk gefördert wird, die geistlichen und ewigen Güter zu erlangen.
 Vorerst nützt sie, um uns der Worte St. Pauli zu bedienen, (b) zur Vollendung der Heiligen, das heißt damit diejenigen, welche diese Gewalt üben jeden (c) Menschen in Christus vollkommen machen wie der nämliche Paulus an einem andern Orte spricht und durch ihren Eifer die Gläubigen zur vollkommenen (d) Heiligkeit, wozu sie berufen sind, bringen.
Auch nützt sie zum Werke des Dienstes, damit die welche vorzüglich Diener der Kirche sind und heissen, etwas haben, worüber sie allzeit wachen (e) und dafür sie sorgen,
vermöge des höchsten Amtes, welches ihnen an vertraut ist.
 Ueberdieß nützt sie zur Erbauung des Leibes Christi, damit diese geistlichen und weisen Baumeister (f) mit dem (g) geheimnissvollen Leibe Christi, welcher in seiner Erbauung eine besondere Anstrengung fordert, sich beständig beschäftigen wissen, auf daß sie bald den Grund des wahren Glaubens legen und befestigen, bald das Uebrige was zur vollkommenen Gerechtigkeit nothwendig ist, weiter aufbauen. (h)
 Endlich nützt sie, (i) daß wir nicht wie Kinder schwanken und von jedem Winde der Lehre hin und her geworfen werden durch die Schalkheit der Menschen. Wegen der Schwächern, die immer der Kirche die Mehrzahl machen, ist das Amt der geistlichen Vorsteher nothwendig, vorzüglich da die Winde der Ketzereyen und die Stürme der Verfolgungen an das Haus der Kirche gewaltig stossen. Denn alsdann ist der Schutz und Beystand derjenigen nothwendig, welche vermöge der Gewalt die Wölfe abtreiben, (l) die Schafe vertheidigen, das Unkraut entwurzeln und die gesunden Glaubenslehren befestigen können und wollen, damit nicht die sonst Einfältigen durch Worte, Schriften und Beyspiele trügerischer und (m) verdorbener Menschen dem königlichen Wege der Wahrheit abgeführt werden, ja daß vielmehr Alle die Wahrheit nicht nur erkennen, sondern auch thun, und in Dem, der das Haupt ist, Christus, zunehmen und gedeihen wie der nämliche Paulus noch hinzugefügt hat (n).

 XIII. Wie mögen wir diese vortrefflichen Früchte erlangen?


So nämlich, daß wir nicht hoch, sondern nüchtern, (a) weise seyn wollen, und allezeit (b) besorgt seyen, zu halten die Einheit des Geistes im Bande de Friedens, auf daß wir uns als demüthige und gehorsame Schäflein Christi erweisen.
 Die Eigenschaft dieser Schäflein ist, daß sie die (c) Wölfe fliehen, nicht fremden, sondern ihren Hirten folgen, diesen als den ordentlichen Vorstehern des Schafstalles des Herrn sich (d) unterwerfen und in denselben den Geist der Wahrheit (e) hören.
 Dieser Geist der Wahrheit ist es, welcher auch durch böse (f) Vorgesetzte die Heerde des Herrn zu lehren, zu weiden und zu erhalten sich würdiget, welcher auch durch dieselben die Gebothe, sowohl Gottes des Vaters, als auch de Kirche der Mutter uns in diesen Worten empfiehlt: (g) Höre, mein Sohn, die Lehre deines Vaters und verlaß nicht das Gesetz deiner Mutter. Und wieder schärft es uns der Nämliche ein, da er spricht: (h) Mein Sohn, bewahre die Gebothe deines Väters, und verlaß nicht das Gesetz deiner Mutter.

 XIV. Welches sind die Gebothe der Kirche?

Es werden vorzüglich fünf gezählt, welche einem jeden Christen zu wissen und zu halten nothwendig sind.

 l.(a) Du sollst die aufgesetzte Feyertage der Kirche halten.

2. (b) Du sollst das heilige Amt der Messe an Festtagen andächtig hören

3. (c) Du sollst, die an gewissen Tagen und Zeiten verordnete Fasten halten, als nämlich in der vierzigtägigen Fasten, an den vier Zeiten des Jahres (zur Quatember), und an den Vorabenden einiger hochgefeyerten Feste, welche unsere Vorfahren Vigilien (d) (d.i. Wachen) nannten, weil an denselben des Nachts in den Tempeln gewacht worden.

4.(e) Du sollst deine Sünden dem eigenen Priester alljährlich beichten.

5. (f) Du sollst das heiligste Sakrament des Altars wenigstens das Jahr einmal und zwar um das Osterfest empfangen (Und du sollst zu verbothene Zeiten keine Hochzeit halten.)

 XV. Was bringt es für Frucht, wenn man diese Gebothe hält?

 Diese und dergleichen andere Satzungen und Gebothe der Kirche, welche schon so viele Jahrhunderte an und aufgenommen, durch große Einhelligkeit und Üebung der frommen Christen bestätiget, und der Frömmigkeit und Vernunft sehr gemäß sind, bringen überaus großen Nutzen mit sich.
 Denn sie sind heilsame Uebungen des Glaubens, der Demuth und des christlichen Gehorsams; sie fördern (a) Zucht und Ehrbarkeit und die Einigkeit des christlichen Volkes; sie stehen da als schöne Wahrzeichen der Religion, endlich geben sie Zeichen und Merkmale unserer innern Frömmigkeit, durch welche wir zur Erbauung (b) sowohl mit den Frommen leuchten als auch den Bösen vorleuchten sollen.
 Kurz, diese dienen uns dazu, daß wir jene apostolische Regel auf´s genaueste halten: Alles geschehe bey euch mit Anstand und Ordnung.

 XVI. Wozu ist uns das Ansehen der Kirche nothwendig?

 Allererst dazu, damit wir die kanonischen und wahren Schriften von den falschen sicher (a) zu unterscheiden wissen.
 Daher bezeugt Hieronymus und spricht: (b) Wir nehmen das alte und neue Testament in jener Zahl der Bücher, welche das Ansehen der heiligen katholischen Kirche ubergiebt. Und der heil. Augustin sagt: (c) Ich würde dem Evangelium nicht glauben, wenn mich nicht das Ansehen der katholischen Kirche bewegen würde.
 Zweytens bedürfen wir der Autorität der Kirche, damit wir des (d) wahren Sinnes und Auslegung der Schrift gewiß sind, und so nicht ohne Ende zweifeln und über den Sinn und Verstand der Worte immer uns streiten. Denn alle Ketzer, wie der nämliche (e) Augustinus spricht, bemühen sich ihre falschen und betrügerischen Meinungen aus den heiligen Schriften zu vertheidigen. Die Schrift besteht wahrlich nicht im Lesen, sondern im Verstehen, wie Hieronymus (f) bezeugt.

 Drittens ist die Autorität der Kirche nöthig, damit in wichtigen Fragen (g) und Streitsachen, die über den Glauben vorfallen können, ein (h) Richter vorhanden sey, und desselben gesetzliches Ansehen sich in das Mittel lege. Denn nur zu wahr ist, was der heilige Epiphanius (i) wider die Ketzer lehrt, daß nicht alles aus der göttlichen Schrift genommen werden könne; was auch der heilige  (k) Augustin sehr wohl bestätiget, wenn er sagt: Es ist offenbar, daß in
einer zweifelhaften Sache die Autorität der katholischen Kirche zum rechten Glauben und zur Gewißheit sehr viel helfe; denn der heilige Geist kann der Kirche nicht mangeln, der sie in alle Wahrheit leitet, wie Christus selbst es (l) verheißen hat.
 Zum vierten bedarf es der Autorität der Kirche, damit nach Verhältniß der Personen, Orte und Zeiten, (m) Satzungen gegeben, die Zucht unverletzt gehalten, und Recht gesprochen werde. Denn Gott hat diese Gewalt der Kirche verliehen (n) zur Erbauung und nicht zur Zerstörung.
 Endlich ist die Autorität der Kirche auch nothwendig, damit die Hartnäckigen die Gewalt, zu strafen und auszuschließen, welche Christus gegeben, und schon Paulus auch ausgeübt hat, empfinden, und dadurch gebessert und bezwungen werden. Hören wir hierüber den heil. (p) Augustin, der da spricht: Die jenigen, durch welche die Kirche regiert wird, haben die Gewalt wider die Gottlosen und Boshaften Zucht und Strafe zu üben, doch so, daß der Friede nicht leidet.
 Aus diesen Ursachen, um alle andern zu übergehen, ist es gewiß, daß die Autorität der Kirche nicht nur nützlich, sondern auch nothwendig sey, so, daß ohne dieselbe das ganze Christenthum für nichts anderes als für eine babylonische Verwirrung zu achten wäre. Deßhalben gleichwie wir der Schrift um des Zeugnisses willen des heiligen Geistes, der in ihr (q) redet, glauben, anhangen und das größte Ansehen ihr zuschreiben; eben so sind wir auch der Kirche Glaube, Ehrerbiethung und Gehorsam schuldig, weil sie von Christus ihrem Haupte und Bräutigame, durch denselben (r)  Geist gelehrt, begabt zugleich und gestärkt wird. daß sie nichts anderes seyn kann, als sie von dem heiligen Paulus genannt wird: (s) eine Säule und Grundveste derWahrheit.

 XVII. Welches ist de Nutzen und die Frucht der ganze Lehre von den Gebothen und Ueberlieferungen der Kirche?



 Der Nutzen ist wahrlich sehr groß und verschieden, und zwar erstens, daß wir einsehen, daß wir ganz und gar nicht an die Buchstaben oder die göttlichen Schriften allein gebunden sind. Denn, um uns der Worte des hl. Irenäus (a) zu bedienen, wenn uns die Apostel auch keine Schriften hinterlassen hätten, müßten wir nicht doch der Ordnung der Ueberlieferung folgen, die sie denjenigen übergeben haben, welchen sie die (ersten) Kirchen anvertrauten? Klar spricht daher solches der heilige Basilius (b) aus: Einige Lehren, welche in der Kirche bewahrt und geprediget werden, haben wir aus der schriftlich aufgezeichneten Lehre, einige hingegen haben wir aus der Ueberlieferung der Apostel, die im Geheimnisse, das ist, in geheim übergeben worden ist, empfangen. Diese beyden haben gleiche Kraft zur Gottseligkeit, und dem widerspricht Niemand, der auch nur ein wenig weiß, was geistliche Rechte sind.
 Es kann auch kein Zweifel seyn daß Christus (c) und die Apostel Vieles sowohl gethan, als auch gelehrt haben, was, wenn es schon nicht geschrieben steht, doch für uns und unsere Nachkommen höchst wichtig ist. Hierüber ermahnt uns  (d) Paulus überhaupt, da er spricht: Im Uebrigen, Brüder, was immer wahrhaft ist, wos ehrbar, was gerecht, was heilig, was liebenswürdig, was rühmlich, wenn irgend eine Tugend, wenn irgend eine löbliche That ist, dem sinnet nach. Was ihr gelernt und empfangen und gehört, und gesehen habet an mir, das thut; und der Gott des Friedens wird mit euch seyn.
 Der nächste Nutzen (obbemeldeter Lehre) ist dieser, daß man die christliche Freyheit recht gebrauche, welche die Menschen, die von Müssiggang und fleischlicher Lust gefangen sind, wenn jemals, jetzt am meisten, zur Begierlichkeit des Fleisches mißbrauchen, wie der Apostel (e) spricht: Unter dem Vorwande der christlichen Freyheit dienen sie den schändlichsten Wollüsten, und fast alles, was ihnen beliebt, glauben sie, sey ihnen erlaubt, auch sogar die Satzungen der Religion ändern zu dürfen. Nun von dieser ruchlosen Neuerung, von diesem Frevel ziehen uns zurück, schützen und schrecken uns ab die Lehren und Satzungen der Apostel und der Kirche; sie bezähmen die menschliche Frechheit, und lehren die christliche Freyheit weise gebrauchen, so nämlich, daß wir von dem Joche (f) der Sünde und von der Dienstbarkeit des alten Gesetzes durch Christus frey gemacht, (g) freywillig und gerne die Christenpflicht erfüllen, Gott in Gerechtigkeit und Heiligkeit dienen, in dem Gesetze der Liebe dem Führer, dem heiligen Geist, folgen als Knechte der Gerechtigkeit, Kinder des Gehorsam, Verehrer der Demuth, Bewahrer der Geduld, Liebhaber der Buße und des Kreuzes. (h) Brüder, sagt der Apostel, ihr seyd zur Freyheit berufen, nur sollt ihr die
Freyheit nicht zum Dienste des Fleisches mißbrauchen, sondern einander im Geiste der Liebe dienen. Diese Liebe des Geistes durch den Gehorsam heiligen Dienstes zu nähren und zu erhalten, nützen alle schönen Uebungen, und auch die Ueberlieferungen der Kirchem wenn sie fromm gehalten werden, sind hiezu von grossem Gewichte.
 Der letzte Nutzen, den wir aus der Lehre von den Gebothen der Kirche schöpfen, ist, daß wir den wahren Unterschied zwischen ehelichen und unehelichen Kindern der Kirche, oder zwischen den Katholiken und Ketzern daraus entnehmen. Denn jene (i) (die Katholiken) finden ganz einfältig ihre Ruhe in der Lehre der Kirche, sie sey geschrieben, wie sie in der Bibel gegeben ist, oder sie sey durch die Ueberlieferung der Väter bewährt. Denn sie folgen dem Worte Gottes: Du sollst nicht übertreten die alten Gränzen, welche deine Väter gesetzt haben.
 Diese aber (die Ketzer) weichen von dieser Einfalt des Glaubens und von dem bewährten Ausspruche der ehrwürdigen Mutter, der Kirche, und der heiligen Väter ab, und vertrauen zu viel auf sich und auf diejenigen, welche die Kirche treulos verlassen haben, und wenn schon ermahnt, bekehren sie sich doch nicht. Daher hat der heilige Paulus ihrer wegen so ernstlich das Gecboth gegeben, da er spricht: (1) Einen ketzerische Menschen meide, nachdem er ein und zweymal ist ermahnet worden, und wisse, daß ein solcher verkehrt ist. Nun damit wir mit dem heilige Cyprian schließen: (m) Ein jeder der von der Einheit der Kirche abweicht, findet sich nothwendig unter den Ketzern.

 XVIII. Welches ist nun die Summe alles Vorhergehenden?


Alles was vom Anfange bis hieher von der Summe der christlichen Lehre abgehandelt worden ist, zielt dahin, daß die wahre Weisheit eines Christenmenschen hergestellt werde, welche in (a) den drey Tugenden (b) Glaube, Hoff nung und Liebe begriffen ist. Durch den Glauben hält sich die Seele kräftig an die Wahrheit Gottes und stützt sich fest auf dieselbe; durch die Hoffnung aber ergreift sie die Güte Gottes noch mehr (d) die anfänglich durch den Glauben erkannt und begriffen worden ist; durch die Liebe (e) endlich wird sie mit Gott und dem Nächsten um Gottes willen verbunden und vereiniget.
 Uebrigens lehrt uns von dem Glauben das apostolische Bekenntniß, da es uns dasjenige vorhält, was ein Christ hauptsächlich glauben und bekennen muß. Von dem aber, was man hoffen und verlangen muß, lehrt uns das Gebeth des Herrn. Zur Liebe endlich gehört, was die zehn Gebothe auf den zwey Tafeln uns vorlegen.

Vortrefflich spricht daher (f) Origenes: Ich halte dafür, daß der erste Anfang und Grund des Heiles der Glaube sey; der Fortgang aber und die Zunahme des Gebäudes die Hoffnung; die Vollendung aber und der Gipfel des ganzen Werkes die Liebe.
 Selig daher diejenigen welche das Wort Gottes hören (g) und bewahren, und welche den Willen des Vaters erkennen und thun indem sie in Glaube, Hoffnung und Liebe unter der Leitung Christi wandeln und verharren.
 Und das sey, unserm Vorsatze nach, genug von jenen höchsten Tugenden, welche, weil sie von Gott eingegossen werden und die Menschen zu göttlichen Wesen bilden, mit Recht die theologischen (die göttlichen) Tugenden heissen, und wohl zur christlichen Weisheit gezählet werden.

 XlX. Gehört wohl nichts anderes mehr zur christlichen Lehre?

 Ja wohl! denn Hieher gehört offenbar die Lehre von den Sakramenten, damit die Christen wissen, welche von Gott eingesetzten Heilsmittel sie nöthig haben, um Glaube (a), Hoffnung vorzüglich die Liebe zu empfangen, zu üben, zu vermehren, zu erhalten oder wenn sie verloren wären, wieder herzustellen.
Ueberdieß kann weder die christliche Weisheit, noch Gerechtigkeit ohne die Sakramente empfangen und erhalten werden, weil ohne dieselben die ganze Religion (b) völlig untergehen müßte. Daher haben die heiligen Sakramente in der christlichen Lehre ein so überaus hohes Ansehen und sie müssen nothwendig abgehandelt werden.

 

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